Die Aufschrift Musikbusiness-Update-September. Rechts ThemaTakt-Host Tobias Wilinski

Musikbusiness-Update September – UMG-Börsengang, ABBA-Comeback, Genius-Verkauf

UMG-Börsengang, ABBA-Comeback, Genius-Verkauf

In dieser Folge erfahrt ihr, was ihr an Musikbusiness-News verpasst habt. Abonniert den ThemaTakt-Podcast, um die News früher zu bekommen. Wenn ihr Musik entdecken wollt, folgt ThemaTakt-Radio auf Spotify.

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– Die Recorded Music-Einnahmen sind in den USA gestiegen
– ABBA is back
– Portishead macht SoundCloud-Cash
– Börsengang der Universal Music Group
– Spotify-Stream-Analyse von Drakes Album Certified Lover Boy
– Spotify Music + Talk startet in Deutschland + ThemaTakt-Radio
– Apple Music nutzt Shazam für Auszahlungen in DJ Mixes
– Investments in NFT-Plattfomren
– Medialab kauft Genius für 80 Millionen Dollar
– Der Musikvertrieb TuneCore ernennt Andrea Gleeson zur CEO + Keychange
– Live Nation will Lateinamarikas größtem Konzertpromoter kaufen
– Tipps für Artists: Fanklub.com & Tracklib
– Filmtipp: Je Suis Karl

Die Recorded Music-Einnahmen sind in den USA gestiegen
Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 sind die Einnahmen für aufgenommene Musik in den USA im ersten Halbjahr 2021 ordentlich gestiegen. Von 5,6 auf 7,1 Millarden Dollardas sind 27%. Das vermeldet die RIAA die Rercording Industry Association of America in ihrem Mid-Year Music Industry Report. Streaming macht knapp 84% der Einnahmen aus – ungefähr soviel wie im Vorjahr. 2 Drittel der Einnahmen sind durch bezahlte Streaming-Abos entstanden. Innerhalb eines Jahres sich 9 Millionen Menschen in Amerika ein Abo gegönnt. Die Einnahmen durch Vinyl haben sich fast verdoppelt, aber das liegt auch daran, das im ersten Halbjahr 2020 die Plattenläden dicht waren. RIAA-Chef Mitch Glazier freut sich über das Wachstum und darüber, dass immer mehr Dienste z. B. kurzvideo-Plattformen oder Fitness-Apps sich um Musik-Lizenzen bemühen und dadurch auch neue Einkommensquellen entstehen.
Auch interessant 9 Millionen Dollar sind durch Rintonge oder Ringback-Verkäufe entstanden. Wer zur Hölle kauft 2021 noch Klingeltöne oder sind das alles Leute, die ihr Jamba-Sparabo nicht gekündigt haben….

US recorded music revenues grew $1.5bn in H1 2021 compared to the first half of last year

Abba is back
40 Jahre nach ihrem letzten Album hat die legendäre Band ABBA ein neues Album angekündigt. Es wird Voyage heißen und hat in UK innerhalb von 3 Tagen die 80.000 Vorbestellungen überschritten und damit einen neuen Pre-Order-Rekord geknackt (den vorher Take That gehörte). Ich vermute, das liegt aber auch daran, dass es 4 verschieden Versionen von CDs, Kassetten und unzählige Vinyls gibt. Außerdem hat Abba monatelang und mit der Unterstützung von 850 Menschen Technkiker*innen etc. ein virtuelles Event auf die Beine gestellt. Das ihr aber dann in der Abba-Arena in London sehen könnt. Das Album erscheint am 5. November

After announcing their first studio album in 40 years, ABBA surpass 80,000 UK pre-orders in just three days

Portishead macht SoundCloud-Cash
Im Update Juli hab ich schon berichtet, dass die Band Portishead den Song „SOS“ (ein Abba-Cover übrigens) exklusiv auf SoundCloud veröffentlicht hat. Eine weitere Besonderheit, sie wurden dabei nicht anteilig am gesamt gehörten vergütet,sondern über die Fan Powered Royalties. Laut SoundCloud hat der Song innerhalb eines Monats durch die Methode mehr als das sechsfache an Einnahmen erzielt, als unter dem Pro-Rata-Modell. Die Einnahmen will Portishead für den guten Zweck spenden.
https://beta.musikwoche.de/details/463971

Die Universal Music Group ist an die Börse gegangen
Der größte europäische Börsengang des Jahres. Bislang war nur das Mutter-Unternehmen Vivendi an der Börse, seit dem 21. September könnt ihr auch Universal-Aktien kaufen. Nach dem Börsengang ist die UMG-Aktie zwischenzeitlich um knapp 40% gestiegen und UMG über 46 Milliarden Euro wert. Auch die Warner Music Aktie ist an dem Tag um 10% gestiegen und kann sich wohl bei der Universal bedanken.
Vorm Börsengang musste Universal schon Informationen im sogenannten Prospectus veröffentlichen und da waren ein paar interesannte dabei:
Laut UMG hat kein Universal-Artist für mehr als 1% der Recorded-Music-Einnahmen gesorgt. Die Top 50 Artists machen gerade mal 23% der Einnahmen aus. Im Umkehrschluss: Mehr als drei Viertel der Einnahmen.
Mehr als die Hälfte der Einnahmen kommen von Musikstücken, die älter als drei Jahre sind. Also der sogenannte Katalog. Knapp die Hälfte der Einnahmen (49%) mach Universal in Nordamerika. Im Prospectus macht UMG aber auch darauf Aufmerksam, dass eine Abhängigkeit zu Streaming-Diensten besteht. Sollte Spotify beispielsweise krasse Änderungen im Playlisting vornehmen, könnten Universals Einnahmen sinken.

Vincent Bolloré is about to own $7bn-plus of Universal shares… and other things we learned from UMG’s new prospectus

Spotify-Streams von Drakes Album Certified Lover Boy
Mit mehr als 153 Millionen Streams am ersten Tag, konnte Drake die Streamingzahlen seines Albums Scorpion um mehr als 20 Millionen Streams toppen. Den Rekord für die meisten Spotify-Streams in einer Woche konnte sein neues Album aber nicht brechen. Da liegt Scorpion noch immer deutlich vorne. 2018 kam es raus und wurde in der ersten Woche fast 560 Mio. Mal gestreamt. Certified Loverboy konnte nicht ganz die 500 Mio.-Marke knacken. (Kanye Wests Donda hat übrigens 442 Mio. Streams in der ersten Woche gesammelt.) Allerdings hat Scorpion 25 und Certified Lover Boy nur 21 Songs, das wirkt sich natürlich auf die Gesamtstreams aus. Die durchschnittlichen Streamingzahlen pro Song sind tatsächlich höher. Statt 22.4 kam ein CLB-Song auf durschnittlich 23.7 Millionen Streams in der ersten Woche. Scorpion hatte bei Release schon drei Hits, CLB kam ohne Hit raus. Vor oder Nachteil? Die Analyse von MBW zeigt auch wie schnell das Interesse an Musik sinkt. Vergleicht man Tag 1 und Tag 5 haben sich die Streamingzahlen bei Scorpion fast halbiert. CLB hatte am 5. Tag nur noch 1 Drittel der Zahlen vom Releasetag. Und dass obwohl es mit mehr als 365 Millionen Spotify-Nutzer*innen mehr als doppelt so viele gibt, wie noch vor 3 Jahren – als Scorpion rauskam. Vergleicht man die Zahlen aller Spotify-User*innen und Drakes monatliche Hörer*innen wird ein krasser Unterschied klar: Damals hat jede dritte Person auf Spotify Drake gehört, drei Jahre später sind es nur noch halb so viele also 16%. MBW kommt zu dem Ergebnis, dass die Zeit der Megahits und Megastars den Zenit überschritten hat. Dadurch dass so viel Musik veröffentlicht wird, wird es für einen Drake vermutlich unmöglich seinen Streaming-Rekord nochmal zu brechen.

Drake’s Certified Lover Boy had a huge first week on Spotify… but not as big as Scorpion’s

Drake’s Certified Lover Boy, Spotify, and the destruction of the all-dominant streaming superstar

Spotify Music + Talk startet in Deutschland
Seit dem 18.08. also einen Tag vor meinem Geburtstag gibt es das radio-ähnliche Musikkomentar-Format jetzt auch in Deutschland. Schon vor einem Jahr ist es in den USA gestartet und hat ziemlich gute Shows hervorgebracht. Z. B. „Black Girl Songbook“, „Key Notes“ und „Loud“. Und soll ich was verraten. Ab Oktober gibt’s eine neue Show: ThemaTakt-Radio!

Apple Music nutzt Shazam für Auszahlungen in DJ Mixes
Für 400 Millionen Dollar hat Apple im Jahr 2018 Shazam gekauft. Jetzt ermöglicht es der Streaming-Dienst, dass Musik in einem hochgeladenen DJ Mix automatisch erkannt wird und die Leute bezahlt, die die Rechte an der Musik halten. Laut Apple Music wurden DJ Mixe über 300 Mio. Mal auf der Plattform gehört und mehr als 3 Millionen Nutzer*innen hören mindestens einmal im Monat einen Mix über Apple Music. In den letzten 12 Monaten hat sich diese Zahl verdreifacht.
Gute News auch von Twitch. Die Livestreaming Plattform, die übrigens Amazon gehört, hat sich mit der National Music Publishers Association auf eine Partnerschaft geeinigt. In Zukunft möchte Twitch Geld ausschütten an Künstler*innen deren Songs in Livestreams gespielt wurden. Bislang gab es da mehr als 1.000 Copyright-Klagen.

Apple Music is now using Shazam technology to identify tracks in DJ Mixes so that rightsholders get paid

Twitch strikes deal with music publishers

Investments in NFT-Plattfomren
Im May hat die NFT-Plattform OneOf 63 Millionen Dollar eingesammelt. Im August hat die NFT-Plattform MakersPlace 30 Millionen US-Dollar eingesammelt. Im September hat RCRDSHP – eine NFT Plattform für elektronische Musik 5 Millionen Dollar eingesammelt. NFTs sind meist digitale Sammlerstücke. Das bislang teuerste NFT – ein digitales Kunstwerk wurde im März für 69 Millionen Dollar bei Christies versteigert. Das Potenzial ist riesig, die Frage bleibt, welcher von all den Marktplätzen wird sich am Ende durchsetzen. Und natürlich auch, werden NFTs massentauglich und bleibt es für die meisten Leute ein unverständliches Nischending für Menschen, die zu viel Geld haben?

Dance music NFT platform RCRDSHP closes multi-million dollar seed round, backed by the buyers of $69m Beeple digital art piece

Medialab kauft Genius für 80 Millionen Dollar
Medialab (nicht zu verwechseln mit dem Media Lab Bayern) ist eine Holding Company. Sie hat schon die Mixtape-Plattform Datpiff und WorldStarHipHop gekauft.
Genius wurde 2009 gegründet von 2011 bis 2016 war ich der Chef von Genius in Deutschland und bin dadurch überhaupt in die Musikbranche gekommen. Die Zeit war sehr spannend, ich hab das komplette Team zwei Mal für ein paar Wochen in Brooklyn – New York besucht und hatte das Gefühl etwas sinnvolles zu tun: Eine Community aufzubauen, die zeigt wie viel in Songtexten insbesondere in Rap-Texten steckt. Ich war auf Konferenzen mit den mittlerweile ehemaligen Chefs von Uber oder WhatsApp – da hab ich mich schon ziemlich cool gefühlt. Die Zeit war aber natürlich auch anstrengend. Neben meinem Studium lastete da viel Druck auf mir. Wie dem auch sei, nachdem Genius über die Jahre als Startup immer wieder Geld eingesammelt hat knapp 80 Millionen Dollar insgesamt. Fühlt es sich mit dem Verkauf an MediaLab für mich jetzt so an, als sei die Reise zu Ende. In den USA wurden nach dem Akquisition Leute entlassen und, dass in Deutschland oder Frankreich mal wieder neue Leute eingestellt werden in weite Ferne gerückt.

Lyrics firm Genius acquired for $80m by MediaLab


https://beta.musikwoche.de/details/463967

Der Musikvertrieb TuneCore hat eine neue CEO
Andrea Gleeson übernimmt die Position, die seit April 2020 unbesetzt war. Außerdem wird Gleeson US-Botschafterin von Keychange. Keychange möchte erreichen, dass in der Musikindustrie 50 Prozent Frauen oder gleichgeschlechtliche Minderheiten in Organisationen arbeiten oder auf Festivals auftreten. In Deutschland setzt sich unter anderem Labelcheffin Lina Burghausen für Keychange ein. Die habe ich in ThemaTakt-Folge 60 interviewt. TuneCore und Believe unterstützen auf dem Reeperbahn Festival den Gender Equality Hub. Ich hab auch das Glück aufs Reepberbahn-Festival nach Hamburg zu fahren und bin schon dort, wenn ihr das hört.
Auch mein letzter Interviewpartner und TuneCore-Deutschlandchef Colin Schrinner wird da sein. Wenn euch TuneCore noch nichts sagt, oder ihr euch über euren Musikvertrieb lernen wollt, hört das zweiteilige Gespräch mit Colin überall wo’s Podcasts gibt.

TuneCore, which paid out over $400m to indie artists last year, has a new CEO: Andreea Gleeson


https://beta.musikwoche.de/details/463972

Live Nation will Lateinamarikas größtem Konzertpromoter kaufen

Der Live Event-Gigant Live Nation will Aktien im Wert von 450 Millionen Dollar ausgeben. Und von dem Geld 51% des Konzert Promoter OCESA Entretenimiento kaufen. Eigentlich wollte sie den Deal schon 2019 angehen, dann kam Covid und der Deal ist geplatzt.
OCESA veranstaltet jährlich mehr als 3.000 Events für knapp 6 Millionen Menschen in Mexiko und Kolumbien und besitzt 13 Venues mit insgesamt fast 250.000 Sitzen.

Live Nation to buy majority stake in Latin America’s biggest concert promoter for $450m


https://beta.musikwoche.de/details/463875

Tipp für Künstler*innen
Fanklub.com ist gestartet. Die Plattform ist eine monatliche Crowdfunding-Seite wie Steady oder Patreon – mit dem Fokus auf Musik. Auf der Website könnt ihr euch als Band oder Artist anmelden und einen Fanklub gründen. Euren monatlich zahlenden Fans könnt ihr über Fanklub.com Livestreams anbieten, Gästelisten-Plätze verlosen oder mit den Fans Nachrichten austauschen. Die Fans zahlen mindestens 1.99 pro Monat, 10 Prozent davon behält das Unternehmen selbst ein. (Beachtet aber auch, dass Transaktionsgebühren und Steuern von den 1.99 abgezogen werden.)
Die Seite sieht jetzt noch nicht so geil aus, aber den Austausch von Artists und Fans zu fördern auch finanziell ist natürlich super. Mehr über die Plattform erfahrt ihr im Redfield Podcast. In Folge 84 ist Fanklub.com Gründer Sebastian Krol zu Gast.
https://www.fanklub.com/communities/search

Tracklib – Plattform für Producer*innen, die gerne samplen
Mehr als 100.000 Songs von Isaac Hayes bis Mozart findet ihr auf der Plattform Tracklib. Das Unternehmen sitzt in Stockholm und hat in einer Funding-Runde gerade mehr als 12 Mio. Dollar eingesammelt. Es gibt verschieden Preismodelle für euch bei denen ihr 6, 14 oder 30 Dollar pro Monat zahlt.
https://www.tracklib.com/howitworks/

Filmtipps
Je suis karl
Schon vor seiner Premiere durfte ich den Film im Kino gucken und anschließend einer Diskussionsrunde mit Regisseur Christian Schwochow lauschen. Luna Wedler, Jannis Niewöhner und Milan Peschel sind in den Hauptrollen. Ich will gar nicht zu viel verraten, der Film thematisiert neue Rechte Bewegungen, die sich eben nicht mehr in Bomberjacke und Springerstiefeln kleiden, sondern in Anführungszeichen „ganz normal“ aussehen und für die Rekrutierung auch viel mit Musik arbeiten. Johann-Christoph Laubisch, der mich erst auf den Film aufmerksam gemacht hat, spielt z. B. einen französischen Rapper mit rechten Texten. „Je suis Karl“ ist seit dem 16. September im Kino. Schaut ihn euch an.

Lesetipp: Das Potenzial von Gaming und der Musikindustrie

Und hört euch ThemaTakt-Radio an. Bald erscheinen die ersten Folgen, deswegen folgt auf Spotify. Diesen Podcast hier findet ihr neben Spotify überall wo’s Podcasts gibt. Ich freu mich über ne Bewertung bei Apple Podcasts. Vielen Dank für die redaktionelle Unterstützung Anna Maria Conconi. Unterstützt ThemaTakt über paypal.me/thematakt oder thematakt.de/spenden. In der nächsten Folge interviewe ich übrigens HipHop.de-Herausgeber, The Ambition-Gründer und Erfolgsformel-HipHop-Buchautor Tobias „Toxik“ Kargoll. Mein Name ist Tobias Wilinski. Bis bald!

Colin Schrinner zu Gast im ThemaTakt-Podcast.

Independent Musik veröffentlichen – TuneCore-Deutschlandchef Colin Schrinner im Interview

Dieses Interview ist für alle Do it Yourself-Artists da draußen, die sich die Frage stellen „Wie bringe ich meine Musik am besten independent raus und wie behalte ich meine Musik-Rechte?“
Colin Schrinner ist Head of Tunecore Germany. TuneCore gehört zum Musikvertrieb Believe. Ein Musikvertrieb sorgt dafür, dass eure Musik bei allen DSPs wie Spotify, Deezer, Amazon und Apple Music landet – und auch bei MediaMarkt und Saturn. Um über Believe zu veröffentlichen (wenn ihr beispielsweise Marketing-Unterstützung braucht oder einen Vorschuss) müsst ihr unter Vertrag genommen werden. Das machen A&Rs wie Marc Leopoldseder (den hört ihr in Folge 27 im Interview). Wenn ihr einfach nur digital eure Musik rausbringen wollt, reicht euch die Believe-Tochter Tunecore. Das ist ein DIY-Vertrieb. Davon gibt es eine Menge zum Beispiel Distrokid, Recordjet, CD Baby, iGroove, Spinnup und noch mehr. Tunecore ist im Vergleich zur Konkurrenz momentan etwas teurer, dafür behaltet ihr 100 Prozent eurer Rechte an der Musik.

Playlist-Pitching, Auszahlungen, automatisches Mastering – darum geht’s in zweiten Teil des Interviews mit Colin Schrinner. Es geht außerdem um die Unterschiede von TuneCore zu anderen digitalen Musikvertrieben. In der zweiten Hälfte blicken wir auf Colins ganz eigenen Weg in die Musikbranche, vom Studium in Amerika, dem Job bei Warner Music zum Head of Tunecore Germany. Natürlich gibt’s auch wieder jede Menge Tipps für aufstrebende Künstler:innen. Folgt dem ThemaTakt-Podcast auf Spotify oder wo immer ihr Podcasts hört und lasst eine Bewertung bei Apple Podcasts da. Supportet über paypal.me/thematakt oder leitet die Folge an eine Person weiter, die mehr übers Musikbusiness wissen möchte.

Digitale Musikvertriebe im Vergleich.

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Musik: Benethy

Intro-Voice: Henrike Möller

Interview & Produktion: Tobias Wilinski

Genannte Namen und Begriffe:
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Die Aufschrift Musikbusiness-Update-Juli und die Logos von TikTok, PayPal und Roblox. Rechts ThemaTakt-Host Tobias Wilinski

Musikbusiness-Update Juli 2021

#deutschrapmetoo, TikTok, Roblox

In dieser Folge erfahrt ihr, was ihr an Musikbusiness-News verpasst habt. Abonniert den ThemaTakt-Podcast, um die News früher zu bekommen.

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#Deutschrapmetoo
Sexismus im Rap und in der Gesellschaft. Beschäftigen viele Akteur*innen, Künstler*innen und Journalist*innen (mich eingeschlossen) schon seit Jahren. Im Juni hat sich der Hashtag #Deutschrapmetoo etabliert, um Vorfälle von Sexismus im Deutschrap sichtbar zu machen. Unter anderem Visa Vie und Shirin David haben starke und verstörende Statements per Instagram geteilt. Der Account Deutschrapmetoo hat dabei kritisiert, dass sich vor allem Betroffene äußern, aber zu wenig Akteur*innen im Bereich Label, Booking oder Redaktion. Nach Vergewaltigungsvorwürfen gegenüber Samra hat Universal Music Germany bekanntgegeben die Zusammenarbeit vorerst ruhen zu lassen. Ein Song von Nimo mit sexistischen Lyrics wurde nachträglich gelöscht, für das Erscheinen des Songs hat sich Universal Music auf Insta entschuldigt. Kritik die häufiger aufkam: Hat niemand im Label den Song vorm Erscheinen gehört? Vor fast einem Jahr ist eine metoo-Bewegung im französischen Rap entstanden. Nach Vergewaltigungsvorwürfen hat ein Rapper sein Album verschoben und seitdem auch keinen Song rausgebracht. Aber er postet hin und wieder auf Instagram und ich hab das Gefühl, dass er einfach Gras drüber wachsen lässt, bis er dann sein Album veröffentlicht. Dinge verbessern sich nicht von alleine, da sind wir alle gefragt. Ein erster Schritt: folgt dem Account deutschrapmetoo!

Charity-Label Looplife-Records startet
Sebastian Vieweger hat erst die Producer & Beat Battleplattform digginsack gegründet. Jetzt hat er sein Label Looplife Records gegründet. Die Besonderheit: es ist laut Sebastioan das weltweit erste non-profit Label für instrumentale Hip Hop Musik. 50% aller Gewinne werden gespendet. Mukke ist auch schon draußen. Z. B. von Frogman der Song „Thursday“. Den ihr natürlich auch am Friday hören könnt.

Portishead veröffentlicht einen Song exklusiv auf SoundCloud
Die Band Portishead hat den Song SOS in einer düsteren Version gecovert. (Der Song stammt eigentlich von Abba.) Auf YouTube ist der Song zwar auch, aber in Audioform soll es ihn ausschließlich auf SoundCloud geben. Warum? SC hat das User Centric Payment schon teilweise eingeführt. Heißt bei denen Fan Powered Royalties und bedeutet, dass das Geld, das ich z. b. Soundcloud Pro zahle, nur bei den Künstler*innen landet, die ich auch höre.

Abba seit 1.000 Wochen in den UK-Charts
Apropos Abba. Die legendäre Band hat in den UK-Charts einen Rekord aufgestellt: Ihr Greatest Hits-Album hat es als erstes Album geschafft, 1.000 Wochen in den britischen Charts zu stehen. 2021 ist ist das Album von Abba in jeder Woche in den Top 40, obwohl es 1992 – also vor fast 20 Jahren rauskam. Und unsereins ist schon froh, wenn ein Album in der zweiten Woche noch in den Charts ist…

Ed Sheeran bricht TikTok-Livestreaming RekordMehr als 5,5 Millionen Unique Views hat der Livestream zur EM erreicht. Laut TikTok die meistgesehene Live-Musik Performance. David Beckham war darin auch zu sehen. Warum? Keine Ahnung. Ich weiß auch nicht warum Beckham in der Friends-Reunion war.

TikTok die meistgenutzte App in US und UK
TikTok hat YouTube überholt was die verbrachte Zeit pro Android-User*in angeht. Sowohl in US als auch in UK. Das hat das Analyse-Unternehmen App Annie mitgeteilt. In den USA nutzen Leute TikTok demnach 24.5 Stunden pro Monat, YouTube nutzen sie 22 Stunden. Krasser ist der Unterschied im United Kingdom. Da nutzen die Leute TikTok 26 Stunden im Monat und YouTube nur 16h. App Annie schätzt, dass TikTok in diesem Jahr noch 1.2 Milliarden monatliche Nutzer*innen erreichen wird. Der Report den App Annie veröffentlicht hat, schlüsselt auch auf, wie viel Zeit Leute vom Handy hängen. In Deutschland ist die verbrachte Zeit 2.6 Stunden pro Tag. Etwas geringer als in UK (eine halbe Stunde) und deutlich geringer als in den USA (eine komplette Stunde pro Tag). In den USA verbringen die Leute also 3.6 Stunden pro Tag vorm Handy. (Alles auf Android Phones bezogen.) Die TikTok-Nutzung in Deutschland ist zumindest auf Android Phones aber explodiert. Während die Nutzungszeit von Insta im Vergleich 2019 auf 2020 bei 7.6 Stunden pro Monat gleich geblieben ist. Hat sich TikTok von 9.4 auf 19.4 Stunden pro Monat pro Nutzer*in gesteigert. Noch eine Neuigkeit. TikTok möchte bald 3 Minuten-Videos anbieten und würde damit noch krasser zur YouTube-Konkurrenz werden.

Universals Investitionen vor dem Börsengang
Laut Vivendis jährlichen Finanzreport hat die UMG mehr als 2,5 Milliarden Euro für Vorschüsse und Katalog-Akquisitionen ausgegeben. Im Vergleich: 2019 hat UMG dafür knapp 1,5 Milliarden ausgegeben – knapp 70% weniger. Woran liegt das? Die Seite MusicBusinessWorldwide vermutet, dass das am baldigen Universal Music-Börsengang liegt. Indem Universal Künstler*innen lange bindet und Musik-Kataloge einkauft, gibt es garantierte Einnahmen. Und das sehen Aktionäre gerne.

Sony Music übernimmt Alamo für neunstelligen Betrag
Sony Music übernimmt mit einer Mehrheitsbeteiligung das Label Alamo Records. Todd Moscowitz hat das Label 2016 gegründet. Der Vertrieb erfolgte damals über Universal Music, soll nun aber bei einem neuen Major Label vertrieben werden. Der Deal soll mindestens 125 Millionen Dollar wert sein. Das sagt “Music Business Worldwide” und beruft sich auf Insiderinformationen. Moscowitz bleibt CEO, Sony Music bekommt den gesamte Katalog und das Künstlerrepertoir. Dazu zählen Blackbear, Lil Durk order Rod Wave. Sony Music hat erst vor wenigen Monaten für 430 Millionen Dollar die Kobalt Music Group, den Label-Service AWAL und die Kobalt Neighbouring Rights eingekauft. Funfact: Ich hab vor ein paar Monaten Sony-Aktien gekauft und der Kurs ist direkt um 20% gefallen. (Wann gibt’s endlich Sony Music-Aktien?!) Funfact: 2 Universal Music hatte eine Option Alamo zu kaufen, hat aber gesagt: Nein, Danke.

Believe und Tunecore haben 340 Künstler*innen im “Signed By” Programm.
Was genau heißt das? Über Tunecore könnt ihr eure Musik bei allen gängigen Streaming-Diensten vertreiben also Do it Yourself. Tunecore gehört zum Musikvertrieb Believe. Wenn ihr eure Musik dort hochladet und sehr erfolgreich seid, habt ihr die Chance auf einen Believe-Deal, das ermöglicht euch dann z. B. mehr Unterstützung und Vorschüsse zu bekommen. Es ist also ein hausinternes A&Ring. Also deutsches Beispiel nennt Believe den Rapper Dilo.
Zu all dem gibt’s hier im Podcast bald mehr Infos. Ich hab Colin Schrinner von Tunecore nämlich ausführlich interviewt.
Zu Believe: Das Unternehmen ist ganz frisch an der Börse – der Kurs ist in den ersten Wochen ordentlich um mehr als 20 Prozent abgeschmiert, aber hat heute seit langem eine Kurssteigerung. Also falls ihr Aktien habt, von Believe oder wem auch immer: der Kurs kann mal ordentlich sinken, macht euch nicht bekloppt, sondern denkt langfristig. Mindestens in Monaten, eher in Jahren. Wenn ihr euch so einschätzt, dass ihr bei 20% Minus direkt verkauft und so dick Verlust macht. Kauft keine Einzelaktien, sondern lieber einen breitgestreuten ETF. Wenn ihr euch mehr ins Thema investieren fuchsen wollt, empfehle ich euch den Kanal Finanzfluss auf YouTube oder als Podcast.

Von Schulenberg zum Schuldenberg
Laut CTS Eventim-CEO Schulenberg führen die Folgen der Pandemie zwangsläufig zu höheren Ticketpreisen. Das hat er der FAZ erzählt. Woran liegt das? Um Ton- und Lichttechniker*innen zurück in die Livebranche zu locken (viele mussten ihre Jobs wechseln) und weil Hygiene-Konzepte Zusatzkosten verursachen. Er hofft, dass wir ab November wieder volle Indoor-Venues ohne Abstand und Maske haben werden. Ich wünsche das der Live-Branche insbesondere Bomber der Herzen-Booker Artur Kasper, aber glaub da im Moment noch nicht dran.

Tones and I erfolgreichste Songwriterin des verganenen Jahres
Laut einem Bericht ist Tones and I die Songwriterin des verganenen Jahres. Hinter ihr Roddy Rich, Finneas O’Connel und Drake. Was ich krass fand: auf Platz 7 ist der schweizer Producer OZ. Glückwunsch!

Capi x Madame TussaudsWenn ihr ein Selfie mit Capital Bra machen wollt, ist das ab jetzt einfacher.
Ab jetzt steht Capi als Wachsfigur im Madame Tussauds in Berlin. Der Rapper, mit mehrfachen Goldauszeichnungen, wohl steht direkt neben der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Herstellung der Figur hat ca. 200.000€ gekostet. Außerdem brauchte es um die 500 Fotos und eine vier-stündige Abmessung. Capi ist somit einer der ersten deutschsprachigen Rapper*innen, die eine Wachsfigur bekommen hat. Cro hat das vor ihm geschafft. Sido hat das Angebot abgelehnt, das erzählt er bei Chez Krömer.

Kooperationen

Roblox unterschreibt Partnerschaft mit Sony Music.43 Millionen Menschen nutzen Roblox laut eigenen Angaben. Auf der Plattform könnt ihr eigene Spiele und Welten erschaffen und mit anderen Leuten spielen. Sony Music Entertainment hat Roblox schon für aufwendige virtuelle Events genutzt. Ein Konzert von Lil Nas X haben im vergangenen Jahr 36 Millionen Menschen bei Roblox gesehen (neben dem Konzert gab’s auch einen virtuellen Merchverkauf, Behind the Scenes Interviews und eine Schnitzeljagd – wie auch immer die ausgesehen hat.) Im Mai 2021 hat Zara Larsson per Roblox eine virtuelle Dance Party veranstaltet. Die haben 4 Millionen Menschen gesehen, laut Roblox die meistgesehene Launch-Party auf der Plattform. Ich verlinke euch die Videos dazu auf ThemaTakt.de/update Die Partnerschaft bringt Roblox also neue Musik-Events und für Sony Music eine gute Plattform um Künstler*innen zu platzieren und neue Dinge auszuprobieren und junge Leute zu erreichen. Auch die BMG hat eine Partnerschaft mit Roblox unterschrieben. Die Zusammenarbeit mit Labels und Verlagen wird für Roblox in Zukunft wichtiger: Erst Anfang Juni haben mehrere US-Musikverlage das Unternehmen auf 200 Millionen Dollar verklagt. Sie sagen, dass Roblox Urheberrechtsverletzungen ignoriert und eine Menge Musik illegal hochgeladen wird.

UMG & SnapSnapchat lebt! Die Universal Music Group arbeitet künftig enger mit Snap zusammen. So können User*innen Musik aus dem Hause Universal benutzen und es soll auch Linsen und anderen Virtual-Reality-Schnickschnack mit Universal-Artists geben.

Paypal & LiveNationPaypal wird in Zukunft Vorverkaufspartner für ausgewählte Live Nation-Konzerte in Deutschland. Das heißt, dass ihr euch mit nem Paypal-Account etwas früher oder exklusiv Konzert-Tickets sichern könnt.

Converse & Tyler, the CreatorZeitgleich mit seinem Album “Call Me If You Get Lost” released Tyler, the Creator seine neue Version des GOLF le FLEUR Converse Chuck 70. Obwohl das Design eher schlicht ist, gibt es dennoch eine Besonderheit an dem Schuh. Denn er ist der erste Chuck seit drei Jahren, den Tyler kreiert hat.

Spotifys Discovery Mode wird gelobtDer Discovery Mode von Spotify funktioniert so: Ihr verzichtet auf einen Streaming-Anteil und werdet dadurch von Spotify besser platziert. Bekommt mehr Aufmerksamkeit, mehr Leute hören euch, ihr werdet zum Superstar. The End. Die Funktion stand viel in der Kritik. Hat jetzt aber sowohl Lob von Distrokid als auch von Tunecore bekommen. Philip Kaplan von Distrokid sagt, dass es ein bahnbrechendes Tool für Musikmarketing ist, weil es kein Budget braucht. Laut Spotify vergrößert der Discovery Mode besonders die Streamingzahlen von Artists mit weniger als 1 Million monatlicher Hörer*innen.

Der Preis für Popkultur kommt zurückLetztes Jahr ist er leider ausgefallen, in diesem Jahr soll er am 6. Oktober zum fünften Mal in Berlin vergeben werden. Wie ihr seit der Folge mit Tobi Zumak wisst, bin ich Mitglied im Verein für Popkultur und muss mich jetzt mal an die Nominierungen setzen.

Tipps:

Neue Promotools bei iMusician
Wenn ihr eure Musik selbst vertreiben wollt, gibt es sehr sehr viele Möglichkeiten. Eine Musikvertrieb ist iMusician. Der hat jetzt ein neues Promotool. Nennt sich “Artist Hub Pro” über das Tool können Künstler*innen Smartlinks erstellen, eine Biografie, einen Tour-Kalender, Social Media Links, einen EPK Download und Shop-Links hinzufügen.

Podcast-Tipps:
Mogul Staffel 3: DJ Screw
Maeckes Podcast „Wie das Wasser in den Pool kam“
Talk This Way Podcast (nächster Gast Hagen Stoll aka (Joe) Rilla)

Vielen Dank an Anna Maria Conconi und Gregorie Kalala für die redaktionelle Mitarbeit.

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Unterstützt auch gerne über paypal.me/thematakt vielen dank an Felix, Freddy und Salim.

– In Liebe Euer Tobias Wilinski

Journalist Falk Schacht im ThemaTak-Podcast

Falk Schacht – sein Leben als hochsensible Person

Von der Straße in den Hörsaal

Im ersten Teil des Interviews mit Falk Schacht ging es zum großen Teil um seine Rolle als Berater für Unternehmen, Festivals und Künstler*innen. In dieser Folge hier, geht es um die Geschichte von Falk und wie er dahin gekommen ist, wo er jetzt ist. Sein Weg war lang, deswegen ist die Folge auch etwas länger. Im Interview erfahrt ihr, wie Falk lernen musste mit sich und seinem Umfeld zu leben, welche Krisen er überwunden hat und wie er zu seinem Beruf – oder wie er sagt seiner Berufung – gefunden hat und wie er als Moderator der Sendungen Supreme und später Mixery Raw Deluxe gearbeitet hat. Vor ein paar Jahren hat Falk außerdem festgestellt, dass er eine hochsensible Person (kurz HSP) ist. Zu dem Thema arbeitet er auch beim Podcast „Sensitiv Erfolgreich“ mit. Abonniert den überall wo’s Podcasts gibt. So wie Falks weiterem Podcast „Schacht und Wasabi“ und meinem weiteren Podcast „Talk This Way.“ Ihr dachtet bis jetzt, dass jeder Mensch Podcasts macht, falsch! Falk und ich machen einfach sehr viele. Gebt all diesen Podcast auch ne Bewertung bei Apple Podcasts, damit wir für immer in den Charts bleiben. Nach diesem Gespräch habe ich Falk und seine Geschichte viel besser kennengelernt (ich hoffe, ihr auch) und bin dankbar, dass er so einen tiefen Einblick in sein Leben gegeben hat. Abonniert und folgt ThemaTakt, damit ihr alle kommenden Folgen auf dem Schirm habt, überall wo’s Podcasts gibt und nehmt euch bitte eine Minute, um eine Bewertung bei Apple Podcasts da zu lassen. – Tobias Wilinski

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Teil 1 des Falk-Schacht-Interviews findet ihr hier:

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Musik: Benethy

Intro-Voice: Henrike Möller

Interview & Produktion: Tobias Wilinski

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Journalist Falk Schacht im ThemaTak-Podcast

„Wenn ihr nicht mitspielen wollt, dann machen wir es einfach selber!“ Falk Schacht im Interview

Wie Unternehmen mit HipHop arbeiten sollten – und wie nicht!

Falk Schacht ist Journalist, Podcaster und berät Unternehmen als Consultant. Eine Übersicht über seine Projekte:

– Seit 2017 macht er mit Jule den Schacht und Wasabi Podcast für Puls vom BR
– er hat eine wöchentliche Radio-Sendung mit DJ Mad von den Beginnern auf NJoy
– er arbeitet für die Backspin, wo er z. B. das YouTube-Format Frag Falk veröffentlicht
– Macht den Online Marketing Rapstars-Podcast
– Arbeitet an zwei mehrteiligen Dokus
– Hält Vorträge
– Und berät eben als Consultant Künstler*innen, Unternehmen und Festivals. In dieser Folge geht es vor allem um diese Tätigkeit und wie Marken gut oder schlecht mit HipHop arbeiten.

Falk arbeitet außerdem am Podcast „Sensitiv Erfolgreich“ mit. Um das Thema Hochsensibilität geht’s dann mehr im zweiten Teil des Interviews. Das hört ihr in der nächsten Folge. In der geht es dann um Falks Geschichte, wie er Beats produziert, gerappt, ein Studio betrieben, ein Label gegründet hat und wie er dahin gekommen ist, wo er jetzt ist.

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Überall wo’s Podcasts gibt, findet ihr jetzt auch einen neuen Podcast von mir, den mach ich zusammen mit Walk This Way Records-Labelchef Patrick Thiede (den ich übrigens über ein Interview kennengelernt habe). Der Podcast heißt TALK THIS WAY. In der ersten Folge sprechen wir mit Finch Asozial über seine Karriere, seinen Schaffungsprozess und wie sehr es ihn mitnimmt, dass er nicht live auftreten kann. Abonniert den TALK THIS WAY-Podcast überall wo’s Podcasts gibt und hinterlasst bei Apple Podcasts eine Sternebewertung.

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Teil 2 des Falk-Schacht-Interviews findet ihr hier:

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Musik: Benethy

Intro-Voice: Henrike Möller

Interview & Produktion: Tobias Wilinski

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Sierra Kidd im ThemaTakt-Interview (Bild: @einfachmemo)

„Ich will magische Momente bei den Fans erschaffen.“ Sierra Kidd im Interview

Aus der Drogensucht zum Musikmanager.

Sierra Kidd ist erst 24, aber schon seit fast zehn Jahren in der Musikindustrie. Mit 15 hat er seine Heimatstadt Emden verlassen und ist nach Berlin gezogen, um bei Indipendenza zu unterschreiben – dem Label von RAF Camora. Warum er es nach einem Jahr wieder verlässt, erzählt er euch im Interview. Sierra Kidd gründet 2015 dann sein Label TFS (TeamFuckSleep) und ist für drei Jahre der einzige Künstler auf seinem Label. Dann nimmt er Edo Saiya unter Vertrag, dessen Zahlen sich laut Kidd nach dem ersten Jahr verzehnfacht haben. Anschließend signt er die Künstlerin Cheriimoya. Mit der er den Song „Living Life, In The Night“ veröffentlicht. Mit mehr als 31mio. Streams auf Spotify ist es auch für Sierra Kidd der meistgestreamte Song seiner Karriere. Mittlerweile hat er das Label zum Management umgewandelt. Weil mit seinem Partner Jan Rode alles selbst macht, hat er jetzt schon sehr viel Ahnung von der Musikindustrie. Im Interview geht’s außerdem darum, wie Kidd mit emotionalen Krisen und seiner Angststörung umgeht, was er aufstrebenden Künstler*innen rät und warum er vielleicht nie wieder live auftreten wird. Folgt @thematakt auf Instagram für das Sierra Kidd-Fanfragen-Interview und abonniert den Podcast!

Alle ThemaTakt-Kanäle findet ihr hier

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Interview & Produktion: Tobias Wilinski

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Product Manager Tobi Zumak (zu Gast beim ThemaTakt-Podcast) grinst in die Kamera

#54 Tobi Zumak (Senior Product Manager – Four Music – Treppenhaus Records)

Das erste Interview seit Mitte September, damals war A&R und Creative Director Stefanie Rohn zu Gast. Ich hab mich sehr darauf gefreut dieses hier raus zu bringen, weil es einen Bereich beleuchtet, den wir fast noch gar nicht beleuchtet haben: das Produkt-Management in der Musikindustrie.
Dazu habe ich mir Tobi Zumak eingeladen. Den habt ihr schon in den letzten beiden Folgen gehört, aber in dieser und der nächsten Folge hörte ihn noch mal ausführlich im Interview. Er ist 2003 als Manager von Marteria gestartet, hat dann bei Universal Music, Columbia/Four Music und Virgin Records gearbeitet, bevor er 2017 wieder zu Four Music gegangen ist. Da war er auch noch als wir das Interview im November geführt haben Senior Product Manager. Seit Februar 2021 arbeitet er als Product Manager bei Treppenhaus Records mit den Künstlerinnen LEA und LUNA. In dieser Folge erfahrt ihr wie ein Vorschuss funktioniert, in welchem Fall ihr beim Label unterschreiben solltet, was A&Rs tun und natürlich was Tobi als Product Manager tut. Die einzelnen Schritte gehen wir am Album von Zugezogen Maskulin durch, die auch schon bei ThemaTakt zu Gast waren. Unterstützt ThemaTakt unter https://www.thematakt.de/spende oder paypal.me/thematakt. Abonniert den ThemaTakt-Podcast überall wo’s Podcasts gibt und folgt bei Insta. Und abonniert den ThemaTakt-Newsletter! Der zweite Teil des Interviews erscheint am kommenden Dienstag, also unbedingt den Podcast abonnieren! Das am Ende erwähnte „Handbuch der Musikwirtschaft“ findet ihr unter diesem Link.* Mein Name ist Tobias Wilinski viel Spaß beim Hören!

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Teil 2


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Tobias Wilinski lächelt freundlich. Neben ihm steht "Karriere-Tipps für Künstler*innen 2021"

Wie aufstrebende Künstler*innen ihre Musik-Karriere aufs nächste Level heben (Teil 2)

Beitrag verfasst von Tobias Wilinski

Warum Künstler*innen einen Strategie brauchen

Eine Strategie zu haben ist nichtt zu unterschätzen meint auch Colin Schrinner von Tunecore:

„Es ist unfassbar wichtig, dass man gute Content- und Social-Media-Strategien macht. Sich auch einen Contentplan für die Veröffentlichungen anlegt und genau weiß, wo man hinwill und wie man sich selbst positioniert.“

Auch wenn das zu den Dingen gehört, auf die Künstler*innen vermutlich so gar keinen Bock haben. Ein Contentplan für Veröffentlichungen ist wichtig. Gerade wenn ich mit vielen externen Leuten zusammenarbeite, aber auch wenn ich alles Independent macht. Da hilft es zu wissen wann welcher Song rauskommt, wie man den vorstellen möchte, ob man Videos dafür produziert, ob man beim Videodreh fotos schießt. Zum Beispiel für Making of-Bilder bis hin zur Frage welche Hashtags will ich benutzen und wem schicke ich Promo-Material wie 10 Sekündige hochkantvideos, die meine Freund*innen hoffentlich teilen. Um mehr Leute zu erreichen, ist es auch gut kleinere Plattformen auszuprobieren. Das meint Matthias Strobel, er ist Präsident von MusicTech Germany, dem Bundesverband für Musiktechnologie in Deutschland:

„Nicht nur auf die bekannten Plattformen wie TikTok, Snapchat, Facebook, Instagram usw. setzen. Auch gucken, was gibt es noch für Plattformen oder Apps, die auch eine signifikante Anzahl an Userinnen hat z. B. Triller. Das ist eine Plattform, die soweit ich weiß aus Amerika kommt, auf der sind auch schon 40 oder 50 Millionen User sind. Triller hat auch einen Deal mit allen Major Labels, d.h. da ist das Lizenzierungsproblem nicht so ein großes. Im Grunde genommen ist die App so wie Tik Tok, nur dass sie noch eine Bandbreite an anderen Möglichkeiten bietet. Der Vorteil bei solchen Plattformen ist eben, dass man nicht in Competition mit so vielen anderen bekannten Stars oder Künstlerinnen steht, die schon eine besonders große Reichweite haben und schon sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern da kann man auch als kleine Künstlerin noch ne Fanbase erreichen.“

TikTok habe ich in der letzen Folge schon mit Instagram-Reels verglichen. In meiner Stichprobe kam ich zu dem Schluss, dass TikTok sich für Musik-Promo momentan deutlich besser eignet und in Deutschland auch noch mehr benutzt wird. OBWOHL instagram laut ARD-ZDF-Onlinestudie, von viel mehr Leuten genutzt wird. Es ist auf jeden Fall gut und wichtig auszuprobieren: Welche Plattform gefällt mir besser, womit kann ich besser umgehen, wo krieg ich mehr Reaktionen. Wenn ich viele Plattformen nutze, ist es wichtig, mir die Zeit zu nehmen, für jede Plattform auch einen eigenen Post zu machen. So was wie „Poste auf Instagram und der Post landet automatisch bei Twitter, Facebook, was weiß ich“ ist eine faule Variante, und das sehen auch meine Fans, die bei Twitter dann z. B. nur einen Link zu Instagram sehen – ohne Bild.
Das wirkt sich dann wiederum negativ auf meine Reichweite aus und die ist mit das wichtigste für mich, um als Künstler bekannter zu werden. Dazu Leander Kirschner, der Manager von Aylo. Die Künstlerin hat mit Insta-Reels zigtausend-Aufrufe gesammelt. Bei TikTok haben manche Videos die Millionen-Aufrufe geknackt.

„In meinen Augen ist es ganz wichtig, zu gucken: Wo kriege ich die Reichweite her? Wie baue ich Reichweite auf? Eine Kernkompetenz eines erfolgreichen Künstlers 2021 ist ganz klar die Vermarktung. Dabei ist natürlich TikTok nicht zu übersehen, muss man ganz klar sagen. Da kann man die Reichweite sehr gut aufbauen. Dann ist für den Künstler natürlich wichtig: Wie konvertiere ich diese Reichweite? Also nur weil man viele Follower auf TikTok hat oder viele Views erreicht, bedeutet es ja noch nicht, dass die Musik sehr gut läuft. Da gibt es unterschiedliche Beispiele es gibt Künstler, die es sehr gut schaffen zu konvertieren und welche, die es weniger gut schaffen. Das ist auf jeden Fall eine der Kernaufgaben, sich immer wieder zu überlegen: Wie mache ich meiner Audience klar, dass ich nicht nur Entertainer bin, Sondern auch Musiker? Wie können sie auf meine Musik stoßen? Ich kann immer nur sagen: Die Augen offen halten, Technologie benutzen und sehr sehr Fan-nah sein. Und sich immer wieder zu überlegen: Was kann ich tun, dass meine Fans – die ja am Ende auch meine Kunden sind – ein tolles Erlebnis haben und wie kann ich mich von anderen Künstlern abheben?“

Leander spricht hier einen super-wichtigen Punkt an: Angenommen, ich hab mir den genialsten Content-Plan gemacht, hab auf TikTok 100k Follower*innen und Videos, die Millionenmal aufgerufen wurden, aber nichts mit meiner Musik zu tun haben, was hab ich davon. Gerade lustige Videos kommen bei TikTok gut an, aber ich will ja kein Comedian sein, sondern angesehener Musiker. Ihr merkt, hier steckt viel drin. Viel haben wir schon in den letzten Minuten gehört. Image oder Identität: Möchte ich überhaupt als lustig wahrgenommen werden? Möchte ich überhaupt per Insta-Story Einblick in mein Privatleben geben? Wenn ich die Fragen mit Nein beantworten kann, muss ich mir andere Wege überlegen, wie ich diese Plattformen benutze und ob ich sie benutze.
Aber nochmal die Frage, weil sie grundlegend ist: Wie motiviere ich Leute, die mir folgen und meine Fotos liken, dazu auch meine Musik zu teilen und zu hören?

Wie oft sollten Künstler*innen Musik veröffentlichen?

Dass sich Streamingdienste gar nicht groß von Social Media-Plattformen unterscheiden, haben wir schon in der letzten Folge gesehen. Bei beiden spielen Aufmerksamkeit und Algorithmen eine große Rolle. Bei Spotify heißen algorithmischen Playlists z. B. Release Radar – die Playlist wird Freitags automatisch mit den neusten Songs von Künstler*innen denen ich Folge aktualisert – und Discover Weekly – hier landen auch ältere Songs drin und auch von Leuten, denen ich noch nicht folge. Um im Release Radar zu landen, solltet ihr regelmäßig also z. B. monatlich einen Song veröffentlichen. Das meint Colin Schrinner vom Indie-vertrieb Tunecore

„Man sollte kontinuierlich Musik veröffentlichen. Das ist ganz wichtig. Dann jetzt sagt, man released jeden Monat, hat man die Möglichkeit in „Release Radars“ und „Discover Weekly“-Playlisten aufgenommen zu werden und baut sich dadurch nachhaltig seine monatlichen Hörer auf.“

In einem Artikel habe ich gelesen, dass ihr nur einmal pro Monat im Release Radar landen könnt. Weiß aber nicht ob das stimmt. So oder so, kann die Strategie für euch jeden Monat Songs raus zu bringen gut sein – Gerade am Anfang der Karriere. Mit jedem Song, den ihr veröffentlicht könnt ihr wieder Promo machen, die einen Grund hat, also Musik-nah ist. Wie wir vorher gesehen haben, könnt ihr über Tik Tok und Co. ja alles mögliche posten, aber ihr wollt ja vor allem eure Musik verbreiten. So könnt ihr zum Beispiel den Produktions Prozess begleiten, bei Twitch live gehen und zusammen mit den Fans am Songwriting feilen oder auch eine Q&A-Fragerunde starten. Am Ende könnt ihr den Song promoten und sagen: „Jetzt ist der Song draußen, bei dem ihr mich begleitet habt. Viel Spaß dabei!“

Das Potenzial von Datenanalyse in der Musikindustrie

Spotify ist aber nicht nur eine Plattform, auf der ihr eure Musik anbieten könnt, sondern ihr könnt auch sehr viel analysieren. Ihr könnt im Backend bei „Spotify for Artists“ relativ genau sehen, wer eure Musik hört und was gut ankommt und viel gehört wird. Davon würde ich mich aber nicht verrückt machen lassen. Gute Songs werden vielleicht weniger gehört, als Songs bei denen ihr sagt, „die habe ich einfach mal runter geschrieben und rausgehauen und ist erfolgreich geworden.“ Also guckt da nicht zu sehr auf die Zahlen, sondern macht das worauf ihr Bock habt. Aber Zahlen können auf jeden Fall auch helfen ein grobes Gefühl zu bekommen. Und Analysetools klingt jetzt so hochtrabend, aber es sind am Ende auch Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram. Wo ihr in eurem Profil genau sehen könnt, wer euch genau folgt, wie alt sind Leute, wo kommen die her, wann sind die online etc. in all diesen Plattformen sieht Matthias Strobel von Musictech Germany Große Chance für aufstrebende Künstler*innen.

„Ich würde jeder Künstler*in das Herz legen, sich mehr mit Analyse Tools zu beschäftigen, gerade am Anfang der Karriere. Um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, wo es sich lohnt noch mehr Werbung zu platzieren, wenn man das Budget dafür hat oder Touren in der Zukunft zu planen. Generell ein Verständnis dafür zu entwickeln, wo die eigenen Fans zu Hause sind. Welcher Track performt am besten? Wo finde ich am meisten statt? Welche Kommentare sind wo? In welchen Playlisten finde ich in welchem Kontext statt? Wenn man sich mehr damit beschäftigt, einen Einblick zu bekommen wo die Fans sind, und wie die Fans funktionieren, geht es auch leichter und schneller, sich eine größere Fan Base aufzubauen.“

Matthias Strobel hat noch viel mehr Tools empfohlen (z. B. WARM (World Air Radio Manager), Soundcharts, Fortunes.io, soundexchange.com). Zu Analyse Tools, die euch zum Beispiel helfen können zu sehen, dass ihr viele Fans in Wiesbaden habt, so dass ihr sagen könnt: „Vielleicht ist es cool, wenn ich bei der Tapefabrik auftrete. Ich schreib denen mal.“ oder auch andere Erkenntnisse, können euch helfen, eure Karriere besser durchzumanövrieren. Das sieht auch Colin Schrinner von Tunecore so.

„Sich selbst einarbeiten in Themen wie Data Analyse: Wie sieht eigentlich meine Zielgruppe aus? Wer folgt mir eigentlich? Wie alt sind die? Wo kommen die her? Wen will ich eigentlich erreichen? Wen erreiche ich? Und wen könnte ich noch erreichen? Und wo habe ich eigentlich gar nicht gecheckt, dass meine Musik vielleicht auch gut ankommt? Daraus kann man unfassbar viele Schlüsse ziehen. Aber natürlich auch so Sachen wie Werbung schalten: Auch das geht ja selber mittlerweile über Facebook Business Manager oder auf YouTube. Da kann man selber sehr viel machen, sehr viel lernen und sich sehr viel beibringen.“

Podcasts, YouTube-Tutorials, Artikel, die meisten Dinge können wir gratis im Internet lernen. Zumindest die Grundlagen. Umso mehr ich weiß umso mehr kann ich selbst tun und umso günstiger wird es. Bleiben wir beim Beispiel von Werbung schalten. Ich kann eine Agentur beauftragen, auf das Video zur neuen Single Werbung zu schalten, aber natürlich muss ich die Agentur bezahlen. Das Geld was ich für die Agentur zahle und was danach verpufft, hätte ich in Werbung stecken können und noch mehr Leute erreichen. Ich muss mir natürlich sicher, sein, dass ich meine Werbekampagne nicht verkacke und so all mein Geld verbrenne. Und was für viele Künstler*innen wohl die größere Hürde ist: Ich muss mir die Zeit nehmen. Zeit um mir das Tutorial konzentriert anzugucken, mir einen Werbe-Account einzurichten und um die Werbung zu schalten und auch zu analysieren. Und eigentlich will ich in dieser Zeit doch einfach nur Musik machen.

Zu Seite 3 des Artikels.

Zu Seite 1 des Artikels.

Tobias Wilinski lächelt freundlich. Neben ihm steht "Karriere-Tipps für Künstler*innen 2021"

Wie aufstrebende Künstler*innen ihre Musik-Karriere aufs nächste Level heben (Teil 1)

Beitrag verfasst von Tobias Wilinski

In der letzten Folge habe ich einen Ausblick auf 2021 gegeben und dabei Sprachnachrichten von 9 Leuten aus dem Musik-Business eingeholt. Ich hab sie aber auch gefragt, welche Tipps sie aufstrebenden Künstler*innen in diesem Jahr geben würden, damit sie aufs nächste Level kommen.
Dabei fällt direkt ein Problem auf: Es gibt unbekannte Künstler*innen, die noch nichts released haben, es gibt welche, die schon zwei Eps draußen haben und welche, die schon 10 Alben veröffentlicht haben. Künstler*innen stehen also immer an unterschiedlichen Punkten ihrer Karriere. An den unterschiedlichen Punkten kann man unterschiedlich agieren. Das meint auch Patrick ThiedeLabelchef von Chapter One und Walk This Way Records:

„Müsste man erstmal natürlich darüber sprechen, an welchem Punkt die aufstrebenden Künstler sind. Haben die ersten Steps schon gemacht? Haben die schon einen Namen? Haben die schon die ersten Playlisten-Platzierungen gehabt? Haben die sonst schon mediale Aufmerksamkeit bekommen? Dann ist das natürlich ein ganz anderes Absprungbrett, aufs nächste Level zu kommen, als wenn du noch ein No-Name bist. In dem Fall geht es dann tatsächlich erstmal darum, sich einen Namen zu machen und Playlistenplatzierungen hinbekommen.“

Sich als Künstler*in eine eigene Identität schaffen

Eine generelle Frage: für wen mache ich diesen Podcast? Mein Ziel ist, dass jede Person in jeder Folge was lernt. Ein ambitioniertes Ziel, aber dazu guck ich mir dann auch Statistiken und Umfragen an. Besonders viel lernen, werden aber Künstler*innen, die noch nicht von ihrer Kunst leben können. Und davon gibt’s leider ne ganze Menge. Schwerpunkt ist auch der Bereich HipHop Gerade in diesem Genre steht die Künstler*innen-Persönlichkeit im Vordergrund. Das meint auch Online-Promoterin und Labelchefin von 365xx Lina Burghausen:

„Es ist ein guter Zeitpunkt sich jetzt Gedanken über die eigene Künstler*innen-Identität zu machen. Ich sage bewusst nicht „Image“. Ja, man kann sich eins zulegen und irgendwie hat jeder Künstler und jede Künstlerin ein Image, aber letztlich geht es im HipHop immer noch weitestgehend um Authentizität. Die Frage ist eigetnlich: Was macht dich als Musikerin besonders? Was hebt dich ab? Warum sollte man dir zuhören? Was möchtest du den Menschen mitgeben, was vielleicht auch nur du kannst? Das auszuarbeiten und sich zu überlegen, was das in der Konsequenz bedeutet: Wo sind meine Fans? Wie finde ich die? Wie sprech ich die an? Über welche Kanäle? Und sich das wirklich gut selbst zu überlegen. Vielleicht auch mit einem kleinen Team. Das können auch die Freund*innen sein, wenn man noch nicht super deep im Musik-Business ist. Sich wirklich mal Gedanken zu machen: Wer bin ich eigentlich in meiner Rolle als Rapper*in oder Producer*in und daraus Konsequenzen zu ziehen.“

Jetzt hat Lina schon sehr viel angesprochen. Zur Kommunikation kommen wir später auch noch. Wir bleiben aber erstmal beim Thema Identität. Generell ist es wichtig aufzufallen meint Patrick Thiede:

Ich glaube, dass es immer wichtig ist, aufzufallen. Aber glaubwürdig aufzufallen, also nicht auffallen des Auffallen Willens, sondern, weil man als Künstler auch wirklich so ist.

Also ein grundlegender Schritt ist die Frage: „Wer bin ich?“ Beziehungsweise „Wer will ich sein?“ Das klingt erstmal banal und für manche bestimmt auch lästig. „Ich will mich nicht definieren, ich bin wie ich bin.“ Diese Einstellung ist aber schwierig fürs Team. Gerade wenn ihr Aufgaben abgeben wollt. Bsp: Wenn jemand aus eurem Team Instagram-Nachrichten in eurem Namen beantworten soll, ist es wichtig, dass diese Person genau weiß, wie die Künstler*in spricht und rüberkommen will. So wie Patrick Thiede glaubt auch Colin Schrinner Head of Tunecore, Germany daran, dass auffallen wichtig ist.

Sich seine Community aufzubauen, zu überlegen: Wie will ich mich positionieren als Künstler, wenn ich neben 200 Deutschrap-Tracks, die pro Woche rauskommen und sich vielleicht ähnlich anhören – wie stech ich heraus? Wie baue ich mir eigentlich eine eigene Marke als Künstler auf.

Wer bin ich, was ist meine Marke? Wenn ich mich als Künstler selbst definiere, bedeutet das erstmal, dass ich Grenzen ziehen muss. Und wer will sich schon Grenzen setzen? ABER das hilft um sich einen klaren Weg zu ebnen. Ein grundlegendes Beispiel: Welche Art von Musik will ich machen. Dass Genres sowieso immer mehr verschwimmen, haben wir schon in der letzten Folge gesehen. Gerade für den Start ist es aber hilfreich, wenn ich weiß, in welche Richtung es gehen soll. Um z. B. mit den richtigen Leuten zu arbeiten. Wenn ich klar habe, dass ich Cloud-Rap statt Rock rausbringen möchte, kann ich mir angucken, wer arbeitet in dem Bereich. Wer hat an einem bestimmten Song mitgewirkt, Prodcuer, Mixer usw. wer ist der Booker von Lgoony – Grüße an Artur Kasper an der Stelle. Und das hilft mir auch zu lernen, wie die Leute kommunizieren, die ich mir als Vorbild nehme. Über welche Kanäle kommunizieren die und wie machen die das.

Wie kommuniziere ich als Künstler*in?

Also nachdem ich weiß wer ich bin, geht es darum das so vielen Leuten wie möglich klar zu machen. Dazu Jens P. Neumann Labelchef von Urban Tree Music.

Aufstrebende Künstler*innen sollten sich vor allem überlegen, wie sie kommunizieren können. Was ist an ihnen besonders, wie können sie das hervorheben und wie können sie authentisch ihren Charakter oder ihre Künstler-Persona kommunizieren? Das wird natürlich alles ein bisschen schwerer, dadurch, dass man überhaupt nicht auf Bühnen stehen kann und die Leute das live nicht verfolgen können. Aber man sollte überlegen: Was gibt es für Kanäle? Da sind die ganz offensichtlichen Sachen, was mittlerweile schon alle machen, wie Twitch und Livestreams. Schonmal gute Wege, aber man sollte trotzdem überlegen, wie kann man auch weiter Entertainment einbringen, wie kann man mehr über sich erzählen, wie kann man auch neben der Musik Dinge tun. Man muss immer mehr ein rundes – Produkt klingt so unsexy – man muss ein rundes Konzept haben, wie man seine Musik und seine Person zu einem vereint und das auch mit den Leuten teilen kann.

Produkt klingt tatsächlich erstmal unsexy. Aber meiner Meinung nach ist es hilfreich etwas weniger emotional an die Sache zu gehen. Kunst ist emotional so oder so. Wenn mein Ziel ist Musik zu meinem Job zu machen, muss ich diesen Bereich aber halt auch als Job ansehen und schauen wie ich davon leben kann. Wenn euch das zu viel Druck ist, dann könnt ihr euch einen ganz normalen Job suchen, der euch die Miete sichert. Das war ein Tipp den Balbina im ThemaTakt-Interview gegeben hat. Sie meinte insbesondere Jobs bei denen ihr nicht so viel nachdenken müsst, können euch dabei helfen, euch auf eure Musik zu konzentrieren.
Aber wir wollen uns erstmal wieder auf Social Media konzentrieren. Spoiler: Die meisten Leute, die ich gebeten hab, mir Sprachnachrichten zu schicken, sehen in Social Media einen ganz ganz wichtigen Punkt für aufstrebende Künstler*innen. So auch Stefanie Rohn sie ist Creative Director beim Verlag We Publish Music, arbeitet bei Das Maschine und managet u. a. die Künstlerin Nessi.

Nichtsdestotrotz sind die Leute ja zu Hause und wollen konsumieren, wollen entertaint werden, wollen rausgeholt werden aus der aktuellen Situation. Deswegen steigen ja auch die Streamingzahlen. Das heißt trotzdem kontinuierlich releasen, neue Plattformen sich erschließen, mit denen man vorher vielleicht noch keine Berührungspunkte hatte. Egal ob es Twitch oder TikTok ist. All diese Plattformen werden immer wichtiger werden und ich glaube, da kommt man nicht drum rum sich damit auseinander zu setzen.

Dem stimmt auch Marina Buzunashvilli zu. Sie war lange selbstständige Online-Promoterin und auch schon in zwei ThemaTakt-Interviews. Hört euch die an sind sehr spannend. Jetzt ist sie Head of PR also Public Relations bei Sony Music:

„Wenn man seine eigenen Social-Media-Profile und den Kontakt zu seinen Fans und zu der Außenwelt selbst befeuert – durch TikTok und Instagram und was es nicht alles gibt – wenn man da weiter dran bleibt und guten und nahbaren Content für die Fans produziert, kann man auch weiterhin seine Base aufbauen. Nichts ist wichtiger, als seine Fans, aber auch gerade Menschen, die einem Folgen zu entertainen, mitzunehmen auf ne Reise. Ich glaube, dass aufstrebende bzw. neue Künstler*innen, die überlegen, wie sie ihre Karriere aufs nächste Level heben, darauf achten sollten von Anfang an ihre eigenen Profile zu schärfen. Eigene Vermarktung ist ganz ganz wichtig. Wie bau ich mir im Netz meine eigene Präsenz auf? Wie kommuniziere ich mit den Fans? All das was möglich ist. Das wird sich glaub ich nicht groß verändern. Es wird glaube ich größer und schöner, weil man mehr Möglichkeiten hat – auch technisch. Durch eigene Twitch-Streams wie es Sido gemacht hat. Sido hat 2020 bewiesen, dass man mit seinem eigenen Kanal soviel machen kann.“

In der Zeit als wir alle im Lockdown zu hause waren hat Sido die Livestream-Show „Zuhause mit Sido“ gestartet. Dazu war er Freitags zwischen 8 und 20h Live auf YouTube. Hat da dann mit prominenten Leuten geskypet und hatte auch ein ganzes Studio inklusive Kameramann. Für aufstrebende Künstler*innen ist das natürlich nicht so einfach zu kopieren. Aber inspirieren könnt ihr euch trotzdem. Der Youtube-Kanal heißt „Mit Sido“.
Marina hat aber schöne Sachen gesagt, die ich nochmal zitieren möchte: Nichts ist wichtiger, als seine Fans zu entertainen und auf eine Reise mitzunehmen.“ und „Von Anfang an eigene Kanäle zu schärfen.“ Online-Promoterin Lina Burghausen sagt auch. Ganz wichtig ist es einen Mehrwert zu schaffen.

„Was kann ich da beisteuern, was anders ist? Was die Leute zu hören lässt? Das ist der Schlüssel, sich zu überlegen wie kann ich relaten und wie kann ich mich abheben. Das kann ganz unterschiedlich aussehen, da gibt es auch nicht das eine Rezept. Ich denke, dass es gerade eine gute Zeit ist, das eigene Standing zu überdenken und zu strategisieren. Einen guten Mix finden zwischen intuitivem Musik-machen und einem Bewusstsein dafür, was einen eigentlich ausmacht.“

Den Punkt haben wir gerade schon gehört: Die eigene Identität ist wichtig und die Frage „wie bringe ich die rüber?“ auch. Was wir aber noch nicht so gehört haben ist wie Lina sagt „die Strategisierung“, also nicht einfach wild drauf los posten sondern sich schon vorher einen gewissen Plan zu überlegen.

Zu Seite 2 des Artikels.

Zu Seite 3 des Artikels.

Tobias Wilinski lächelt freundlich. Neben ihm steht "Karriere-Tipps für Künstler*innen 2021"

Wie aufstrebende Künstler*innen ihre Musik-Karriere aufs nächste Level heben (Teil 3)

Beitrag verfasst von Tobias Wilinski

Warum Künstler*innen ein Netzwerk, ein Team, eine Manager*in brauchen

Damit ihr euch auf die Musik konzentrieren könnt, braucht ihr eine Manager*in oder am besten ein Team. Das weiß auch Labelchefin Lina Burghausen:

„Natürlich solltet ihr euch, wenn ihr größere Steps machen wollt, ein Team suchen, das euch supportet. Das kann ein Label sein, muss es aber nicht. Einfach die Möglichkeiten nutzen, die sich ergeben. Kooperationspartner*innen suchen, das müssen keine Leute aus der Musikindustrie sein, das müssen auch keine Musik-Medien sein. Checkt, dass ihr euch vernetzt, connectet und da an den Start geht, weil letztlich ist das das Kapital, auf das ihr aufbaut.“

Vernetzen aka Networking kostet sehr viel Zeit und macht vielen überhaupt keinen Spaß. Oft höre ich Leute sagen: ich hasse diesen oberflächlichen Smalltalk beim Networking. Den kann es geben, muss es aber nicht. Wirklich stark ist mein Netz nur da, wo ich auch deeptalk führen kann, wo sich Beziehungen entwickelt habe. Das dauert meistens Monate oder sogar Jahre. Momentan könnt ihr das Netzwerk extrem schnell erweitern über linked.in, Facebook und Instagram. Aber nochmal: es kommt auch hier nicht darauf an, wie schnell ihr möglichst viele Leute zu euren Kontakten hinzugefügt, sondern es geht wirklich darum Kontakte aufzubauen. Sich kennenzulernen und sich ineinander zu verlieben – – – okay das vielleicht nicht. Aber eben schon eine Beziehung aufzubauen und das geht in echt mnm tausend mal besser. Von den Leuten, die ich bei ThemaTakt interviewe habe ich 90% mindestens einmal vorher getroffen. (In der Musikindustrie spielt das Auftreten natürlich eine Rolle, gerade im HipHop-Bereich. ) Für euch als Künstler*innen ist durch corona schwierig Leute in echt zu treffen, aber dadurch, dass so viel über Internet stattfindet, vielleicht auch eine Chance beim Networking. Ein grundlegender Tipp, den aber sehr sehr viele Leute missachten: Schreibt immer eine Anrede. Kein „Hey! meine neue Single ist draußen“ Nehmt euch immer die Zeit für ein Hi Lina, Hi Marina, Hi Tobias – die Chancen auf eine Antwort werden extrem steigen. Aber wer kann sich auch gut um’s Networking kümmern? Richtig: Meine Manager*in und wer noch zu meinem Team gehört. Eine Frage, die ihr euch stellen solltet ist, Ob ihr das Ziel habt zum Major-Label zu gehen oder Independent zu bleiben. Das meint Colin Schrinner von Tunecore.

„Als Künstler muss ich mich fragen: Ist es nicht nachhaltiger für mich, mir mein eigenes Team aufzubauen und Leute zu haben, die tatsächlich nur für mich arbeiten und sonst niemanden? Aber da gehört natürlich auch viel dazu: Diese Leute erst mal zu finden, die Dedication zu haben. Natürlich auch die Ressourcen und die Einnahmen zu haben, ein Team zu bezahlen. Oder glaubt das Team am Anfang so an meinen Erfolg, dass es umsonst arbeitet? All diese Fragen muss man sich natürlich nicht stellen, wenn man einfach zum Label geht, das aber gegebenenfalls auch einfach nicht die Kapazität hat, einem so einen Service zu bieten, dass es wirklich den Unterschied macht.“

Bei einem Major-Label habt ihr u. u. krassere Expertise, aber seid als aufstrebende Künstler*in nicht die Priorität. Das heißt, dass euer Album vielleicht immer wieder nach hinten verschoben wird, weil erst die großen Namen releasen. Ein anderer Punkt, den Colin angesprochen hat, der aber nicht zu unterschätzen ist: Geld.

Wie man mit Musik Geld verdient

Laut Tobi Zumak von Four Music müssen Künstler*innen sich möglichst viele Geldquellen aufbauen. Das hat spätestens die Corona-Pandemie gezeigt.

„Dass Künstler breitere Einkommensströme aufbauen und aufbauen müssen. Sich nicht nur auf live verlassen, sich nicht nur auf Recordet verlassen, sich nicht nur auf Merchandising verlassen, sondern dass man die Einkommensströme aus der Sicht von Künstlern weiter auf fächert weiter auffächert.“

Live-Einnahmen sind bald für ein komplettes Jahr weggebrochen. Und viele Künstler*innen haben nur mit diesen Einnahmen Geld verdient. Übers Streaming kommt bei den meisten zu wenig an. dass Spotify, Apple Music und Deezer die Miete zahlen ist eine schöne Vorstellung – und für die meisten bleibt es eine schöne Vorstellung. Um etwas mehr Geld für die Musik zu bekommen, sieht Matthias Strobel von Music Tech Germany einen besonders einen Anbieter:

„Was grundsätzlich jede Künstlerin da draußen machen sollte, ist die eigene Musik auf Bandcamp anbieten und nicht nur auf den ganz normalen Distributionswegen. Band Camp kostet den Künstler so gut wie nichts, Bringt dem Künstler aber einiges mehr, wenn er da Musik verkauft und hat auch noch ein zusätzliches in Dashboard für die Datenanalyse. Dort kann man sehen, wer sind meine Hörer, wo und wann kaufen die meine Musik?“

Ich habe letzte Woche ein Tool ausprobiert, bei dem ich nur die URL von einer Playlist eingeben musste und dann sollten alle Songs auf Bandcamp angezeigt werden. Von 100 Songs war genau einer auf Bandcamp, den hätte ich für einen Wunschbetrag kaufen und streamen können. Ich kenne mich mit Bandcamp nicht gut aus, aber wenn ihr dadurch keine Nachteile bekommt, ladet eure Songs dort hoch. Selbst wenn nur eine Person im Monat das Album für 8 Euro kauft, werdet ihr damit mehr verdienen, als wenn 1.000 Leute einmal einen Song von euch auf Spotify streamen.
Geld könnt ihr auch durch Crowdfunding verdienen. Entweder sammelt ihr einen einmaligen Betrag, oder ihr startet ein monatliches Crowdfunding per Steady oder dem Vorbild Patreon.com. Dazu Matthias Strobel

„Ich finde das einen fantastischen Weg, um exklusiven Content anzubieten für diejenigen, die tatsächlich bereit sind zu bezahlen beziehungsweise Künstlerinnen zu unterstützen. Auf der anderen Seite ist es auch eine Möglichkeit, die eigene Fan Base zu vergrößern, weil man eben auch auf Patreon selbst stattfindet.“

Ich selbst nutze beide Plattformen also steady und patreon für Thematakt also unterstütz mich da gerne thematakt.de/spenden – Achtung: Der Launch ist sehr wichtig, wenn ihr die Seite veröffentlicht und sagt: hier isse, viel Spaß, wird das wahrscheinlich nichts. Überlegt euch gut, welche Prämien könnt ihr anbieten. LGoony bietet z. B. ab 5 Euro im Monat einen Podcast und eine eigene Playlist an. Momentan unterstützen ihn da 58 Leute, die im Monat etwas mehr als 280 Euro zahlen. Das klingt erstmal ganz ordentlich, ist aber Brutto. Der Betrag muss noch versteuert werden, vorher zieht Patreon ein paar Prozente ab, und wenn jemand mit Paypal zahlt, zieht auch noch paypal ein paar Prozente ab und dann bleibt gar nicht mehr so viel übrig. Falls ihr monatliches Crowdfunding nutzen wollt, startet nicht zu niedridg. Wenn Fans euch da mit einem euro im Monat unterstützen wollen, kommt da wirklich gar nichts an. Bei Lgoony geht es bei 3Euro los. Ich finde das ist ein guter Preis. Bevor ihr aber T-Shirts und andere materiellen Werte versprecht, rechnet erstmal durch, ob sich Aufwand und Materialkosten überhaupt lohnen.
Eine andere Plattform, die anfangs nicht unbedingt für Musik bekannt war, auf der Tyga und Cardi B jetzt aber schon ordentlich Kohle verdienen. Onlyfans. Dazu nochmal Mathias Strobel:

„Plattformen wie Only Fans werden zwar im Kontext gesehen, dass es dort vor allem viel Content gibt, der nicht jugendfrei ist. Nichts desto trotz ist die Grundidee von Only Fans super. Die Möglichkeit als Künstlerin zu sagen: „Ich biete was an, das ich kreativ erschaffen habe und wenn du mein Fan bist, kannst du das erwerben.“ Ich glaube dass das eine fantastische Möglichkeit ist, um gerade die Super-Fans zu aktivieren und zu sagen: „Du kannst was von mir bekommen, das sonst keiner hat.“ Neben Only Fans gibt es noch Nifty Gateway. Ich bin sicher, dass es da in Zukunft noch eine ganze Reihe an Plattformen geben wird, die die Möglichkeit eröffnen, kreativen Content, physischen Content oder auch virtuellen Merch zu verkaufen. Ich glaube das ist eine fantastische Möglichkeit für aufstrebende Künstlerrinnen, Geld zu verdienen, sobald sie eine gewisse Fangruppe aktivieren konnten.“

Okay, wenn wir ehrlich sind: um Geld mit Musik zu verdien bzw. weil ihr Musik macht, über alle möglichen anderen Wege, klappt erst, wenn ihr schon eine ordentliche Fanbase habt. Theoretisch könnt ihr bei Twitch oder Youtube live gehen und auch damit Geld verdienen. Um Werbung bei YouTube einzublenden braucht ihr aber alleine schon 1.000 Youtube Abonnent*innen. Was Twitch angeht, hat mir ein Kollege, der auch Musikmanager ist, gesagt, dass man bei Twitch schon mehrmals in der Woche für mehrere Stunden online gehen sollte, um sich eine Fanbase aufzubauen. Wie ich schon vorher gesagt habe: Probiert verschiedene Plattformen und Tools aus – aber entscheidet euch. Ihr müsst nicht überall präsent sein. Lasst Twitter und Facebook weg, wenn ihr keinen Bock drauf habt. Macht euch aber nicht nur von einer Plattform abhängig. Drei verschiedene Accounts würd ich schon empfehlen, solange ihr euch auch drum kümmert und nicht einmal im Jahr alle Notifications abfrühstückt.
Jetzt ist auch die perfekte Zeit um sich bei Plattformen wie Bandsintown anzumelden. Bandsintown ist eine App, die Fans ursprünglich einfach angezeigt hat, wann ihr in ihrer Nähe live spielt. Mittlerweile zeigt die App aber auch eure Livestreams an, egal wo ihr live geht (YouTube, Twitch etc.). Es ist aber auch eine Social-Media-Plattform an sich. Ihr könnt also auch Fans Nachrichten schreiben und posten, wenn ihr einen neuen Song veröffentlicht habt. Nutzen das in Deutschland schon Leute? Cro hat da zumindest fast 200tausend Follower*innen, Helene Fischer über 50k und Peter Maffay knapp 14.000 – Bandsintown wird also wohl auch von älteren Fans genutzt.
Und es ist auch eine gute Zeit, um sich für Fördergelder zu bewerben z. B. bei der Initiative Musik.

Warum ihr eure Musik-Karriere nicht aufgeben solltet

So jetzt aber genug von Business, Networking und Geld und ran ans Musikmachen. Zum Abschluss motivierende Worte von Colin Schrinner, Patrick Thiede und Tobi Zumak.

Schrinner: „Wenn man das wirklich packen will, also wenn man wirklich mit Musik sein Brot verdienen will, dann bedeutet das, dass ich das auch als meine Berufung und meinen Job ansehen muss – mich dementsprechend 40+ Stunden dransetzen muss. Wie Döll mir letztens im Interview erklärt hat, wollte das halt auch, dass man eigentlich nie Feierabend hat. Diese Dedication und Leidenschaft muss man halt reinstecken, um erfolgreich zu sein. Das ist das Nonplusultra. Davon abgesehen braucht man natürlich starke Songs.“

Thiede: „Ich glaub ein wahrer Künstler wird immer irgendwie herausstechen und wird, wenn er wirklich an sich und seine Kunst glaubt und die ein oder anderen richtigen Business Entscheidungen trifft d.h. nicht alles alleine machen wollen, Aufgaben delegieren, sich gute Partner suchen, gute Team-Mitglieder suchen, die ihr Handwerk verstehen. Dann wird ein guter Künstler mit guter Musik sich über kurz oder lang immer durchsetzen.“

Zumak: „ Mehr denn je gilt für Newcomer und aufstrebende Künstler, mutig zu sein und zu machen. Einfach vorwärts zu kommen, in dem man Dinge tut, in dem man sich nicht zu sehr verkopft, sondern dass man selbst Erfahrungen sammelt. Erfahrungen sammelt man nur, indem man sich traut Fehler zu machen – auch in der Öffentlichkeit – auch ungewöhnliche Wege zu gehen und sich einfach auszuprobieren. Ich denke, dass das eine sehr sehr sinnvolle Strategie ist, um schnell vorwärts zu kommen, schnell zu lernen und auch an hartem Feedback und möglichen Fehlern zu wachsen und daraus zu lernen. Künstler sollten keine Zurückhaltung haben und selbstbewusst nach außen gehen. Sich nicht kleiner machen als sie sind. Künstler wollen auf eine Bühne, sie wollen von Leuten gesehen werden. Und genau mit diesem Selbstbewusstsein müssen sie draußen unterwegs sein und dem großen Ziel, die beste und einflussreichste Künstler*in zu werden sehr selbstbewusst gegenübertreten und machen. Einfach rausgehen und machen.“

Einfach machen – diese Einstellung ist soo wichtig. Indem ihr macht, lernt ihr. Ihr lernt euch kennen, ihr lernt, was ihr mögt, ihr lernt worauf ihr so gar kein Bock habt. Stärken und schwächen. Als Künstler*in oder allgemein wenn ihr selbstständig arbeitet, müsst ihr euch immer wieder die Frage stellen: Was ist das wichtigste, dass ich jetzt gerade tun kann? Einen neuen Song aufnehmen? Einen rausbringen? Ein Musikvideo planen? Eine Instastory posten? Meine E-mails checken? Entscheidungen treffen kostet Kraft. Und das kann überfordern, aber es ist wichtig. Damit ihr euch leichter entscheiden könnt, überlegt euch Ziele, die ihr messen könnt. Also z. B. am 30.06. will ich 2000 Follower*innen haben. Wenn euch das gar nicht wichtig ist, dann vielleicht bis zum am 1. April will ich meine EP rausbringen. Wenn ihr dieses Ziel klar habt, ergibt sich fast von alleine ein Zeitplan und euer Fokus. Ohne klare Ziele ist es für euch schwer überhaupt zu wissen, ob ihr in euren Augen erfolgreich seid oder nicht. Und Ziele zu erreichen, ist ein verdammt geiles Gefühl.

So ist es für mich mit dieser Folge. Hätte nicht gedacht, dass ich sie heute fertig bekommen würde, aber hab gestern bis halb 2 daran gearbeitet und es geschafft. Ich hoffe sehr, dass euch die Folge gefallen hat und ihr in alle anderen reinhört auf thematatk.de oder überall wo’s Podcasts gibt. Übrigens noch ein Ziel erreicht: 50 Bewertungen bei Apple Podcasts nächstes Ziel 60. Ich freu mich, wenn ihr Bewertungen da lasst. Ein weiteres Ziel war einen Newsletter zu starten. Den könnt ihr unter thematakt.de/newsletter abonnieren. Für noch mehr Tipps und Weisheiten. Danke auch an Amazon Music, die ThemaTakt am Freitag in die Ausgewählten Podcasts gepackt haben.
Empfehlt diese Folge an aufstrebende Künstler*innen weiter und an Leute die sich fürs Musikbusiness interessieren. Und unterstützt diesen Podcast unter thematakt.de/spenden oder paypal.me/thematakt. In der nächsten Folge erwartet euch wieder ein Interview. Zu Gast ist dann Tobi Zumak. Mein Name ist Tobias Wilinski vielen Dank fürs Lesen und bis bald!

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