Beats in den USA platzieren: So machst du es richtig!
Lerne, wie du deine Beats und Samples erfolgreich in den USA platzierst, typische Stolpersteine vermeidest und langfristig dranbleibst
„Der größte Fehler ist, seine Träume nicht zu leben - mach Musik, verschick deine Beats und bleib dran!“
Nils Again (Producer)
Die USA gelten seit Jahrzehnten als das Mekka der Musikproduktion, vor allem im HipHop. Für viele Producer aus Deutschland und Europa ist der Traum groß: Den eigenen Sound nach Amerika zu bringen, mit Top-Artists wie Travis Scott oder Metro Boomin’ zu arbeiten und größere Erfolge zu landen. Doch während die Qualität der Beats oder Samples eine Grundvoraussetzung ist, spielen noch viele weitere Faktoren eine Rolle, die den Weg nach Amerika erschweren oder erleichtern. In meinem Live-Podcast auf der Mainstage der Beatcon habe ich mit dem Musikbusiness-Experten Niklas Jürgensen und den Producern Nils Again und Stoopid Lou gesprochen. Habe Einblicke bekommen, wie du Beats bzw. Samples erfolgreich in die USA pitchst, welche Fehler du vermeiden solltest, welche Rolle rechtliche Aspekte einnehmen und was dich persönlich auf dieser Reise erwarten kann.
5 Dinge, die wir aus dieser Folge lernen können:
1. Die Realität auf dem US-Musikmarkt kennen und leben
US-HipHop ist in Sachen Business deutlich chaotischer und unorganisierter als der deutsche Markt. Beats werden oft ohne Absprache mit Produzenten veröffentlicht, Geld fließt teilweise deutlich verspätet oder gar nicht, und du musst mittendrin immer selbst versuchen, das Richtige aus der Situation zu machen.
Deshalb ist das tiefgründige Kennenlernen des Markts entscheidend: Wer sind die angesagten Artists, Producer, Manager, Studios? Welche Sounds funktionieren gerade? Es reicht nicht, einfach wahllos Beats zu schicken, du musst den Markt leben und atmen. Nur Disziplin und permanentes Arbeiten und Vernetzen bringen dich rein.
Erstelle deine persönliche Landkarte der US-Szene, indem du Research auf Spotify, Genius, Instagram und Co. betreibst. Finde heraus, welche Producer mit welchen Künstlern arbeiten und höre ihre neuesten Produktionen, um am Puls der Zeit zu bleiben.
2. Beziehungen aufbauen geht nicht von heute auf morgen
Viele Producer scheitern. Sie sind demotiviert, weil nicht sofort Feedback oder sogar ein Placement kommt. Doch die Realität ist ein „Try and Error“ über Monate oder Jahre. Du brauchst ein kleines Netzwerk von 5 bis 10 Leuten, bei denen du konstant Beats einschickst. Viele davon melden sich selten, manche gar nicht, aber dieses „Nichts“ kann in Wahrheit der Grundstein für spätere Erfolge sein.
Die Kommunikation ist meist einseitig, was viele entmutigt. Doch gerade dann heißt es: „Weitermachen und verbessern, dranbleiben!“ Niklas Jürgensen warnt, dass viele zu schnell aufgeben, dabei ist der Aufbau von Vertrauen und Respekt essenziell.
Fokussiere dich auf wenige, gut ausgewählte Kontakte und interagiere auf persönlicher Ebene - nicht mit Spam-DMs, sondern mit echtem Interesse an ihrer Musik. Dranbleiben ist entscheidend.
3. Nutze deine Einzigartigkeit und baue Brücken
Producer versuchen häufig, genau den bereits erfolgreichen Sound zu kopieren. Nils Again gibt im Talk ein Beispiel, wie er gesehen hat, dass ein Artists noch keine Gitarren-Beats hat. Seine Devise: Nicht einfach eindimensional bedienen, sondern eine Lücke finden und so zur „Go-to“-Person werden. Das hebt dich von der breiten Masse ab und schafft gute Grundlage, um vom ersten Beat zu echten Placements zu kommen.
Analysiere, wo du mit deinem Sound oder Instrumenten einen Mehrwert für US-Produzenten bieten kannst – vielleicht ist es ein cooler Gitarrenriff, eine spezielle Melodie oder ein einzigartiges Sample.
4. Verträge & Bezahlung: Unterschreibe nie ohne Anwalt!
Einer der größten Fehler in der US-Musikbranche ist es, Beat-Deals ohne rechtlichen Beistand abzuschließen. Das unterscheidet sich stark von Deutschland: US-Recht erlaubt beispielsweise den Verkauf von Urheberrechten (Copyrights), was in Europa nicht möglich ist. Oftmals verstecken sich in Verträgen Klauseln („Work-for-Hire“), die Producern nur geringe Rechte oder Bezahlung garantieren. Ohne guten Anwalt bist du oft der Dumme - so haben die Nils Again und Stoopid Lou selbst Erfahrungen gemacht, mit unbezahlten Hits oder fehlenden Credits. Nils Again geht sogar soweit, dass er eigentlich einen sechsstelligen Betrag auf seinem Konto haben müsste - wenn die Deals alle rechtmäßig gelaufen wären.
Investiere früh in einen erfahrenen Musik-Anwalt, gerade vor US-Deals. Er überprüft die Verträge, warnt vor Fallstricken und hilft dir dabei, auch international faire Konditionen zu erhalten.
5. Der erste große Credit zählt mehr als schnelles Geld
Wenn du am Anfang deiner Karriere keine großen Placements hast, denken viele daran, Deals abzulehnen, die „nur“ einen Credit bieten. Doch gerade das erste große US-Credit ist unbezahlbar für die Karriere: Es öffnet Türen, bringt Respekt und macht dich sichtbar. Nils gibt ehrlich zu: Einige seiner ersten Placements waren Low-Budget, aber die Credits haben ihm erst die nötige Reputation auf Instagram und bei Labels verschafft. Die Podcast-Gäste raten daher, sich mit der eigenen Position abzufinden und strategisch erst einmal den Fuß in die Tür zu bekommen.
Sei geduldig und überstürze nichts. Wenn du ein gutes Placement mit Credit bekommst, feier es und setze es in deinen Profilen und Gesprächen als Vertrauensbeweis ein.
Bonus: Muss ich als Producer in die USA reisen?
Viele fragen sich: Muss ich persönlich in die USA reisen, um erfolgreich mit US-Artists zusammenzuarbeiten? Die Antwort: Nein, zum Produzieren und Pitching ist das kein Muss. Viele Producer aus Deutschland oder Europa haben niemals das Land betreten und arbeiten trotzdem erfolgreich online.
Fazit: Einfach machen und dranbleiben!
Es wird dir niemand den roten Teppich ausrollen – der US-Musikmarkt ist hart, unübersichtlich und oft unfair. Aber genau deshalb ist es eine Herzensangelegenheit und Herausforderung für Producer mit Ambitionen. Ein Studio, Disziplin, ein gutes Netzwerk, rechtlicher Rückhalt und Durchhaltevermögen zahlen sich aus.
Deswegen nochmal: Es kostet Zeit, Nerven und manchmal eine Menge Geld, aber der größte Fehler ist, deine Träume nicht zu verfolgen.
Mehr Insights gibt’s in dieser Folge ThemaTakt!
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Tobias Wilinski (ThemaTakt-Host)

