Deine Stimme, dein Kapital: KI-Voice-Cloning und die Zukunft der Musik
Let's talk about voice cloning!
„Technically, there’s still this latency problem. So if you want to swap the voice, you want to convert voice or you want to augment the voice. It’s always a bit of a delay. And in live performance, we have no tolerance for any sort of delay. “
Dr. Alexandra Huang-Kokina, (Expertin für Oper und KI)
KI-Hallo! Euch ist wahrscheinlich auch schon aufgefallen, dass zwischen den Podcast Folgen und diesen Newsletter eine gewisse Latenz liegt. Das ärgert mich selbst auch etwas, aber ich bin zuversichtlich, dass ich langfristig etwas schneller diesen Newsletter verschicke und den Podcast damit einhole. Damit willkommen zu einem spannenden Deep Dive in die Welt von KI-Stimmen und ihrem Einfluss auf das Musikbusiness! Dieser Live-Podcast war für mich als Moderator bislang die größte Herausforderung: Zum einen, weil wir dieses Panel auf der Music Frontiers-Konferenz auf englisch gehalten haben - zum anderen, weil zwei der Teilnehmerinnen einen Doktortitel besitzen. Ich durfte mit drei beeindruckenden Gäst:innen sprechen: Dr. Jemily Rime (Professorin für elektronische Musik) Dr. Alexandra Huang-Kokina, (Expertin für Oper und KI) und Ausrine Skarnulyte, (CEO des Startups VoiceSwap).
5 Dinge, die wir aus dieser Folge lernen können
1. Die technische und künstlerische Herausforderung von KI-Stimmenklonen
Trotz beeindruckender Fortschritte steckt die Technologie der Stimm-Synthese noch in den Kinderschuhen. Latenzzeiten bei der Echtzeit-Stimmenersetzung machen Live-Performances schwierig, und technisch sowie künstlerisch sind Stimmenklone noch nicht perfekt. Besonders in der Oper gilt: Die „echte“ menschliche Stimme bleibt unersetzlich – zumindest fürs Erste. (Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich meine Stimme für KI-Zwecke hergeben würde…)
2. KI als erweitertes Kreativwerkzeug, nicht als Ersatz
KI-Stimmenmodelle eröffnen Künstler:innen neue kreative Horizonte - zum Beispiel indem sie es ermöglichen, Songs mehrsprachig zu singen oder auf ganz neue Weise mit der eigenen Stimme zu experimentieren. Häufig wird KI als zusätzliches Instrument genutzt, um Song-Arrangements zu bereichern und Klanglandschaften zu erweitern, nicht aber, um die menschliche Stimme zu ersetzen. (Im Interview mit Rapper Takt32 erzählt er, dass er seine Stimme auf einem Song zu einer weiblichen Stimme geklont und genutzt hat.)
3. Rechte, Kontrolle und faire Vergütung sind zentrale Themen
Stimmenklone sind rechtlich komplex: Wer entscheidet, wie eine Stimme genutzt wird? Und wie wird die Vergütung geregelt? Startups wie VoiceSwap setzen auf klare Einwilligungen der Künstler:innen, individuelle Kontrollmöglichkeiten und faire Einnahmeteiler für den Stimmeinsatz. Die Ausbildung und Aufklärung der Künstler:innen in diesen Fragen ist entscheidend.
4. Vertrauen und Transparenz in der KI-Nutzung
Hinter der Maschine stehen Menschen – Entwickler:innen, Rechteinhaber:innen, Artists. Ohne Vertrauen und Transparenz wird es schwierig, erfolgreiche Kooperationen aufzubauen. Bildung rund um KI-Technologien im Musikbusiness ist somit ein Schlüsselfaktor für eine ethisch vertretbare Nutzung.
5. Kulturelle Akzeptanz und die Balance zwischen Mensch und Maschine
Das Beispiel Hatsune Miku zeigt, dass eine KI-Stimme nicht notwendigerweise hyperrealistisch sein muss, um erfolgreich zu sein. In manchen Bereichen, wie der Popmusik oder experimentellen elektronischen Musik, sind kreativ verzerrte oder künstliche Stimmen erwünscht. Die Oper hingegen bleibt skeptisch – hier wird die menschliche Stimme noch als Herzstück und unverzichtbares Element betrachtet.
Fazit: Was wir aus der KI-Stimmen-Diskussion für das Musikbusiness mitnehmen sollten
Die Integration von KI-Stimmen im Musikbusiness ist mehr als nur technologische Spielerei - sie verändert den kreativen Prozess, eröffnet neue Verdienstmöglichkeiten und stellt uns vor fundamentale ethische und rechtliche Fragen. Doch so revolutionär der Wandel auch ist: Die künstlerische Kontrolle, die transparente Kommunikation und die faire Vergütung der Künstler:innen sollten immer im Zentrum stehen. Die Entwicklungen der letzten Monate zeigen, dass Major-Player hier teils schnellen Schrittes vorangehen. Gerade für Indie-Artists könnte es in Zukunft aber noch schwieriger werden von KI-Stimmen zu profitieren.
Super Newsletter! Wie kann ich den unterstützen?
Leite den Newsletter an eine Person weiter, die ihn lesen sollte. (Hier geht’s zum kostenlosen Abo.)
Schick mir eine Spende an Paypal.me/thematakt
Ich hoffe, dass ihr gut ins neue Jahr gestartet seid und ihr euch jetzt ein wunderschönes Wochenende gönnt!
Vielen Dank fürs Lesen oder Hören und bis bald!
Tobias Wilinski (ThemaTakt-Host)

