„Zeig den Prozess deiner Musik. Wie du im Studio bist, wie du schreibst, was deine Gedanken dahinter waren. Nichts ist wichtiger für Personen heutzutage als das menschliche dahinter. Die Leute wollen verstehen, was du machst und warum die Musik für dich so wichtig ist.“
Liz Agyeman
(Global Brand & Culture Strategist)
Egal, wie viel ihr schon wusstet, in diesem Interview werdet ihr was lernen. Liz Agyeman ist als Social Media-Mangerin bei der Agentur Jung von Matt/Sports gestartet. Anschließend ist sie zum DIY-Vetrieb TuneCore gewechselt. Dort hat sie zum Beispiel Kampagnen mit Kelvyn Colt und Money Boy gemacht. Bei TuneCore war Liz über 5 Jahre und ist zur Senior Global Brand Managerin aufgestiegen.
Im Interview geht’s viel um Social Media: gute Hooks für Videos, wie sich TikTok und Insta verändert haben, aber auch den afrikanischen Musikmarkt, das Black Entertainment Network (BEN), das Liz mitgegründet hat und an welchem Format sie gerade arbeitet.
Die letzten Newsletter habe ich nach dem Schema “was ihr aus dieser Folge lernt” aufgebaut. Aber irgendwie fand ich das etwas oberflächlich und ich habe mich gefragt: “Würde ich das selbst gerne lesen oder sollte ich etwas anders machen?” Deswegen besteht dieser Newsletter vor allem aus einer spannenden Passage aus dem Interview. Für bessere Verständlichkeit habe ich sie leicht editiert. Schreib mir gerne, ob du den Newsletter im Interview-Stil feierst, oder doch lieber einen zusammenfassenden Artikel hättest.
Highlight aus dem Interview mit Liz Agyeman
Natürlich lohnt es sich das ganze Interview zu hören, aber hier ist eins meiner Highlights:
Erzähl doch mal gerne von den TuneCore-Kampagnen. Was habt ihr denn umgesetzt, als du dann schon befördert wurdest?
Wir hatten damals Kelvyn Colt als einer unserer ersten Gäste, weil Kelvyn Colt einer der Künstler war, der relativ öffentlich über Independency gesprochen hatte und auch seinen Katalog gekauft hatte. Das war vielleicht der Industrie bewusst, aber noch nicht den Fans. Das war auch, glaube ich, so ein Jahr, nachdem Nipsey Hussle verstorben ist. Und Nipsey Hussle war ja auch ein großer Advokat für Independence. Wir haben damals geschaut, welchen Künstler haben wir denn überhaupt im Backend und nutzt TuneCore. Und dann haben wir einen Account von Kelvyn gefunden. Wir dachten: “Ach, super unrealistisch, dass Kelvyn das mit uns macht.” Aber der hat das natürlich gemacht und mit uns eine Kampagne umgesetzt, wo es um Independence gesprochen haben. Und er hat auch damals den Rapper Ahzumjot interviewt und auch mit ihm über Independency gesprochen.
Das war eine Kampagne, die du dir überlegt hattest.
Genau, oder halt auch ein, zwei Jahre später für Deutschland eine Money Boy-Kampagne, wo es um das neue Pricing ging. (…) Eine frühe Positionierung von TuneCore war “du kriegst 100% von 100%”, was bei vielen DIY-Vertrieben nicht der Fall war. Das heißt, wir konnten damit ganz gut Werbung machen. Dann haben wir quasi mit Money Boy auch eine Kampagne umgesetzt, die auch relativ erfolgreich war. (…) Also meine Nummer eins war “Advocacy für Independence”. Ich glaube, du kannst Künstlern nicht Sachen in den Mund legen, sondern die müssen von alleine darüber sprechen - müssen sich dafür begeistern. (…) Die Künstler, mit denen wir da gearbeitet haben, waren halt wirklich große Freunde von Independence. Das heißt, wir haben nicht gesagt, TuneCore ist die beste Marke, sondern vielmehr, was bringt es dem Künstler independent zu sein? Was heißt das überhaupt? Welche Artists machen das? Und so habe ich quasi die Marke mit dem Künstler verbunden.
Und wieso gerade Money Boy? Also es ist ja nun mal eben auch ein Phänomen, wo sich die Geister scheiden, aber wo man auch weiß, das könnte vielleicht auch kontrovers rüberkommen oder vielleicht sogar, der Marke schaden.
Ja, es war auch eine lange Hin- und Her-Diskussion. Aber eine Sache, die ganz klar war: Money Boy ist ein Businessman und dafür kannten die Fans ihn auch. Also wir haben jetzt nicht mit seiner Musik geflext, sondern wir haben aktiv das Business von ihm angegangen. (….) Das heißt, wir haben natürlich die Marke Money Boy genutzt, die er ganz gut auch so für sich vertreten hat. Aber das Sentiment nach Geld war wichtig, weil Künstler natürlich auch überleben wollen, gerade Independent-Künstler. Das ist ein Struggle auf dem Markt. Und er ist einer der Künstler, der es ganz gut hinbekommt.
Wo wir beim Thema Independent Artists sind - was würdest du denen heute raten?
Ja, boah, heute als Independent Artist: Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger! Überleg dir das sehr gut. Ich treffe manchmal Artists, die sagen: “Oh, ich würde gerne Musik machen, ich weiß nicht wo…” Und ich denke jedes Mal: “Lass es dann”. Weil du musst als Independent Artist sehr, sehr starke Nerven haben und du musst aktiv an dich glauben. Das ist mein Number One. Und put in the work. Weil wenn das nur ein, “es könnte, aber es muss nicht sein” ist, dann ist da viel mehr Leid als Spaß drin. Und wenn du es wirklich möchtest, dann lern dich gut kennen. Überleg dir genau, welche Plattformen für dich relevant sind. Heutzutage sind Non-Negotiables TikTok, YouTube und Instagram.
Jeweils als Shortform - also cica einminütige Hochkant-Videos?
Richtig, also alles, wo du Content verwerten kannst. Aber das Interessante ist, der Trend zu Musikvideos kommt wieder. Also Leute schauen sich wieder gerne Musikvideos an, was aber längere Formate und richtiges Storytelling dahinter hat. Aber Independent Artists haben oft einfach kein Budget dafür. Das heißt, investiere nicht in das Musikvideo, sondern investiere in die Ausspielung, investiere in Ads. (…) Überleg dir eine gute Hook, zeig den Prozess deiner Musik. Also wie du die Musik machst, wie du im Studio bist, wie du schreibst, was deine Gedanken dahinter waren. Nichts ist wichtiger für Personen heutzutage - das trennt dich auch von AI-Videos - als das menschliche dahinter, die menschliche Komponente. Die Leute wollen verstehen, was du machst und warum die Musik für dich so wichtig ist und die Bedeutung dahinter.
Das ganze Interview hörst du in dieser ThemaTakt-Folge.
Lesetipp:
Ein Newsletter, den ich schon lange verfolge heißt “Hey Mike”. Mike arbeitet seit über 12 Jahren in der Musikindustrie. Zum Beispiel mit T-Pain oder Joey Bada$$ - hat also auch einen HipHop-Background. Teilweise analysiert er Karrieren oder entwickelt Tools. In seinem aktuellen Newsletter fragt er sich eine Frage, die wir uns vermutlich alle stellen: “Where do we go from here?” - Wie geht’s mit der Musikindustrie weiter?
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Es war ein super spannendes Interview für mich. Ich hoffe es geht dir auch so. Gib mir Feedback zum Newsletter: Sollte ich auch in Zukunft Interview-Highlights reinschreiben oder doch lieber zusammenfassende Artikel wie in den vorherigen Ausgaben?
Kleiner Spoiler: Da ich beim Newsletter etwas hinterherhinke, sind schon weitere Folgen erschienen. Kristof Jansen von Groove Attack durfte ich auf der C/O-Pop interviewen und Charlotte Stahl hat mich im ThemaTakt-Studio besucht und erzählt von ihrer Zeit bei TikTok und YouTube.
Vielen Dank fürs Lesen und bis bald!
Tobias Wilinski (ThemaTakt-Host)

