Splits, Sync, und Geld: Believe-Insights von Alex Ziem
Alex Ziem über das unsichtbare Rückgrat jedes Verlags, praktische Tipps für Artists und wie man von besseren Admin-Prozessen profitiert.
„Du musst dir einfach bewusst sein: Wenn du einen sehr hohen Vorschuss bekommst und du recoupst den nicht innerhalb der Vertragslaufzeit, dann bist du erstmal auch eine ganze Weile gebunden.“
Alex Ziem
(Head of Publishing bei Believe)
Alice Merton hat Alex Ziem damals nicht gesignt, weil das Label-Setup nicht passte. Dafür war Loredana eines ihrer ersten großen Signings. Alex arbeitet seit fast 20 Jahren in der Musikbranche, hat erst für Universal-, dann für Sony Music Publishing gearbeitet und seit 2024 baut sie einen ganz neuen Verlag: Believe Music Publishing. Sie ist Verlagschefin aka Head of Publishing. Im Interview geht’s um den steinigen und spannenden Weg, einen Verlag von null aufzubauen. Alex erzählt offen von den ersten anderthalb Jahren Groundwork, von den bürokratischen Unterschieden zwischen Märkten, von der oft unterschätzten Admin-Arbeit - denn, wenn die Abrechnung nicht stimmt, gibt es auch kein Geld.
Dinge die wir aus dieser Folge lernen können
1. Vorschuss kann zur Falle werden
Alex erklärt konkret, wie Vorschüsse funktionieren. Ein zu hoher Vorschuss, der nicht innerhalb der Vertragslaufzeit recouped wird, bedeutet oft eine lange, wirtschaftliche Bindung.
Das bedeutet: Ein Vorschuss ist nicht nur Geschenk, sondern Kredit, der mit den künftigen Erlösen verrechnet wird. Gerade wenn mehrere Autor:innen am Song beteiligt sind oder ein Verlag eine erstrangige Zession hat, dauert es deutlich länger, bis Geld bei dir ankommt. Das muss bei jeder Entscheidung ein Thema sein.
2. Admin FTW
Das Thema Admin klingt unsexy, ist aber essenziell. Believe setzt auf Client Manager als festen Ansprechpartner und eine Plattform, die Songmeldungen automatisiert verarbeitet.
Warum das wichtig ist: Wenn Songs nicht korrekt gemeldet werden, bleiben Einnahmen aus. Für Artists heißt das: Ein Verlag, der Admin ernst nimmt, sorgt dafür, dass deine Tantiemen ankommen. Für Verlage heißt das: Investiere in Tools und Menschen, die das “Atmen” managen.
3. Was ein Verlag konkret leisten kann
Publisher bieten mehr als nur Vorschüsse. Alex beschreibt zwei Hauptfelder: Kreativarbeit - Türen öffnen, Kollaborationen, Producer-Connections - und Sync-Work: Platzierung in Film, Werbung, Games. Beide Bereiche sind wertvoll, aber unberechenbar. Transparenz ist entscheidend.
4. Die richtigen Splits und Verwertungsgesellschaften wählen
Deutschland hat andere Splits als UK oder PRS. In Deutschland sind die Autorenanteile oft großzügiger, aber es lohnt sich, territorial zu denken: Wer seine Haupterlöse in England oder den USA erzielt, sollte das bei der Wahl der Verwertungsgesellschaft berücksichtigen.
Es geht nicht nur um Prozentzahlen. Es geht um effiziente Auszahlungsketten. GEMA arbeitet gut für Deutschland, PRS für UK hat andere Konditionen. Ein Verlag hilft zu wählen, was zu deiner Karriere passt.
5. Transparenz schlägt Geheimniskrämerei
Alex Ziem betont, wie wichtig Partnerschaften auf Augenhöhe sind. Sie berichtet von Fällen, in denen Co-Partner nicht erreichbar waren oder Probleme ignorierten. Ihre Lösung: klare Ansprechpartner, ehrliche Kommunikation und Fehlerkultur.
In einer Branche mit vielen Unsicherheiten ist Vertrauen das Kapital. Wenn Fehler passieren, offen damit umgehen. Das stärkt langfristige Beziehungen und spart Energie.
Mehr lernst du in dieser Folge ThemaTakt!
Super Newsletter! Wie kann ich den unterstützen?
Leite den Newsletter an eine Person weiter, die ihn lesen sollte. (Hier geht’s zum kostenlosen Abo.)
Schick mir eine Spende an Paypal.me/thematakt
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, das erste lange Exklusiv-Interview mit Alex Ziem führen zu dürfen. Aus beiden Folgen kannst du hoffentlich eine Menge mitnehmen. Hast du Ideen, welche Person ich unbedingt mal in den Podcast einladen sollte? Schreib mir!
Vielen Dank fürs Lesen und bis bald!
Tobias Wilinski (ThemaTakt-Host)

