ThemaTakt-Interview #28: MC Bogy

Rapper MC Bogy im ThemaTakt-PodcastEr ist einer der ersten Untergrund-Rapper Berlins. 1998 ist er das erste Mal auf Bassboxxx-Tapes zu hören. Das ist mittlerweile 20 Jahre her. Sein Geld verdient MC Bogy damals weniger mit Musik, sondern indem er Drogen verkauft. Bogy bezeichnet sich als “Suchtmensch” – dass er selbst Drogen nimmt, wird ihm schnell zum Verhängnis. Er dreht auf Kokain ab und auch der Alkohol-Konsum erschwert sein Leben. Er landet im Knast und in der Nervenklinik: “Wo du dich entscheiden musstest, ob du dich anpisst oder jemand anderes deinen Schwanz hält.” Mittlerweile konzentriert er sich mehr auf die Musik (und sein Album “100%”*), auf seine Interviews für TV Strassensound und seinen Sohn.
Zum Interviewer hat ihn Promoterin Marina Buzunashvilli ihn gebracht – ihr ThemaTakt-Interview findest Du hier.
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Marc Leopoldseder im ThemaTakt-Podcast

ThemaTakt-Interview #27: Marc Leopoldseder (Juice, Splash! Mag, Believe)

Marc Leopoldseder im ThemaTakt-Podcast neben ihm sitzt der Host Tobias Wilinski.Bei meinem heutigen Gast weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.
Er macht zwar keine Musik, aber ich bin großer Fan ihm. Marc Leopoldseder ist von 2001 bis 2013 Redakteur bei der Juice – Europas größtes Printmagazin für Rap und Hip Hop. Anschließend arbeitet er für zwei Jahre als Chefredakteur fürs Splash! Mag. (Wie für ihn der Wechsel von Print- zu Video-Interviews ist, erfährst du im Interview.) Zwischendurch ist er Mitgründer von All Good (check den Podcast!). Mittlerweile eine der Top-Adressen für guten Musikjournalismus. Seit knapp drei Jahren arbeitet er als A&R bei Believe – das ist ein großer Musikvertrieb. Falls du die letzten ThemaTakt-Folgen noch nicht gehört hast. Ein Vertrieb kümmert sich darum, dass Musik im Laden landet oder eben bei Spotify, Apple Music und so weiter.
Marc Leopoldseder kennt beide Seiten sehr gut. Den Journalismus und die Musikindustrie. Deswegen ist mit dem Interview ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Worum es in den nächsten 90 Minuten geht?
– Wie Aggro Berlin das Business verändert hat.
– Wie Marc Leopoldseder aufstrebende Künstler entdeckt.
– Wie Künstler auf Playlisten kommen.
– Warum Playlisten gefährlich sein können.
– und wann es sich lohnt eine Box zu seinem Album zu machen.
Hör das Interview auf jeden Fall bis zum Ende.
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ThemaTakt-Interview #26: Rapper und Labelboss Sickless

Rapper und Labelboss Sickless bei ThemaTakt im Interview. Links neben ihm Interviewer Tobias WilinskiStuttgart ist schon lange nicht mehr Hip Hop-Mekka. Das Hip Hop Open gibt’s schon seit Jahren nicht mehr, Clubs schließen und bis Berlin ist es auch ein Stückchen. Warum Rapper Sickless trotzdem dort bleibt und wieso seine “Beta EP”* erst mehr als vier Jahre nach seinem Album “Horus”* rauskommt, erfährst Du im Interview. Ein Grund: Sickless ist Business-Man. Auf seinem Label wirscheissengold sind Rapper Marz und Dr. Lucs und die Producer Drum Quixote und 7apes. Mittlerweile haben sie sogar eine eigene Verlagsedition, was Sickless in die A&R-Rolle bringt. Aber was macht eigentlich ein Verlag? Hör rein! War “Horus”* noch hauptsächlich von Drum Quixote produziert, gibt es nun auch Beats von Enaka oder Ghanaian Stallion – beide waren schon bei ThemaTakt zu Gast. Abonnier den Podcast auf iTunes und folg ThemaTakt auf Instagram!

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“Was zählt ist Selbstermächtigung!”
Rapper Megaloh im ThemaTakt-Interview

Megaloh im ThemaTakti-Interview Foto von Tobias Wilinski vom SplashRapper Megaloh ist in Berlin Moabit aufgewachsen. Schon mit dreizehn fängt er an zu rappen. Damals noch auf englisch in der Gruppe Royal Authority.
2002 gründet er zusammen mit seinem Klassenkameraden und Produzenten KD-Supier ein eigenes Label: Es heißt Level Eight. (Warum das Label scheitert, hörst Du im ThemaTakt-Interview mit KD-Supier.) Weil er mit der Musik nicht genug Geld verdient, ist Megaloh kurz davor seine Karriere zu beenden. Producer und Kindheitsfreund Ghanaian Stallion hält ihn davon ab. Gemeinsam produzieren sie die Alben “Endlich Unendlich“* und “Regenmacher“* – beide landen in den Top 10.
In dieser Folge geht es um das Folge-Projekt “Platz an der Sonne”*, das Megaloh, Ghanaian Stallion und Musa unter dem Namen BSMG veröffentlichen.
Dieses Interview ist im Rahmen eines Track by track entstanden, das heißt es geht auch um jeden einzelnen Song des Albums, um Afrika und Megalohs Erfahrungen. Das “Platz an der Sonne”-Track by Track findest Du hier. Hör auch die Interviews mit Musa und Ghanaian StallionAbonnier den Podcast auf iTunes und folg ThemaTakt auf Instagram!

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“Jeder lebt in Widersprüchen. Das ganze Leben ist ein Widerspruch.” Rapper Mauli im ThemaTakt-Interview

Rapper Mauli im ThemaTakt-Interview. Rechts neben ihm steht Host Tobias Wilinski“Spielverderber” war ein Überraschungserfolg. Er hat es Rapper Mauli ermöglicht sein Geld mit Musik zu verdienen und drei Jahre später sein nächstes Album “autismus & autotune” zu veröffentlichen. Anschließend spielt er seine erste eigene Tour. Wie es ist neuerdings ohne die ganze immer.ready-Truppe aufzutreten und was die Schwierigkeiten beim Aufnehmen des Albums waren, hörst Du im Podcast. Außerdem geht es um Maulis große Musik-Helden, um Slipknot, t.A.T.u. und Pink Floyd. Außerdem erfährst Du, wie Maulis Masterplan damals kläglich gescheitert ist, aber bald vielleicht doch noch klappen wird und wie es für ihn ist, dass seine Freundin gleichzeitig seine Managerin ist. Abonnier den Podcast auf iTunes und folg ThemaTakt auf Instagram!

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amadeus thüner im thematakt interview über sneaker

ThemaTakt-Interview #23: Sneaker-Experte Amadeus Thüner (“Oh, Schuhen!”-Podcast, everysize.)

amadeus thüner beim sneaker interview bei tobias wilinski themataktDurchs Skaten hat er sich das erste Mal für Sneaker interessiert, später schreibt er für die Juice und das Diffus Magazin. Jetzt ist er Chefredakteur von everysize. und startet seinen eigenen Sneaker-Podcast: “Oh, Schuhen!” heißt er. Alle zwei Wochen nimmt Amadeus ihn mit Simon Bus von Turnschuh.tv auf. In dieser Folge ThemaTakt erfährst Du, wie die Hip Hop- die Sneaker-Kultur beeinflusst hat, von welchem Gebäude der Air Max inspiriert wurde und welche Jordans damals wirklich in der NBA verboten waren.Wir sprechen über Stilikonen wie Kanye West, Pharrell Williams, Travis Scott und Asap Rocky, aber auch allgemeine kulturelle Besonderheiten von Sneaker-Liebhabern. Abonnier ThemaTakt und “Oh, Schuhen!” bei iTunes!

Patrice im ThemaTakt-Interview (Transkript)

Vor seinem Konzert in Berlin hat Patrice sich Zeit für ThemaTakt genommen und über seine Vergangenheit, sein Album und die Zukunft der Menschheit geredet.

Tobias Wilinski: Ich habe mir ein paar Interviews von dir durchgelesen und fand ein paar Sachen interessant, die nicht wirklich angesprochen wurden. Vielleicht auch weil du schon relativ lange am Start bist. Deine EP (Ancient Spirit)* wird bald schon 20 Jahre alt…

Patrice: Stimmt.

…was ich nie vermutet hätte. Da würde mich erst mal interessieren, wie ging es denn aus deinem – fast schon Kaff – Kerpen-Brüggen in die Musikwelt?

Ich hatte so eine Art Crew. Wir wurden im Hip Hop groß und Hip Hop selbst wurde gerade groß. Dann haben wir uns in allen Disziplinen von Hip Hop ausprobiert und haben uns versucht auszudrücken. Sind geskatet und was weiß ich… immer wenn diese MC-Jams in Köln waren oder es irgendeine Möglichkeit gab, uns zu präsentieren, waren wir da. Meine Schwester war dreieinhalb Jahre älter als ich – und ist es immer noch (lacht), kannte DJ Suicide von Advanced Chemistry damals zu dem Zeitpunkt wollte ich unbedingt eine Platte machen und der hat mich dann vermittelt an Don Abi und Ade (Odukoya) von Weep Not Child und der hat mich weitervermittelt an (Matthias) Arfmann in Hamburg.

Der auch damals schon unter anderem für die Beginner produziert hatte…

Genau. Damals ging es ja gerade los mit Hamburg, den Beginnern und co. Arfmann wollte wohl damals, dass Ade was auf seiner Solo-Platte macht und dann bin ich da mit hingekommen nach Hamburg und hab auch ein bisschen was gemacht. Matthias saß da so und hat gefragt: “Und was machst du so?” Und ich so: “Ja… dies das…” und hab ihm so ein relativ einfach aufgenommenes Demo da gelassen. Da stand auch nichts drauf, ich glaube das war ganz weiß. Dann fand er es cool, hat mich eingeladen und mich gefragt ob ich mehr von so Liedern hätte, weil ich mit meinen Hip Hop-Jungs eher auf hart gemacht habe und das war eher meine sanfte Seite…

Auf Englisch…

Ja, auf Englisch. “You always you”* war da drauf und “Million Miles”* glaub ich. Dann bin ich noch mal nach Hamburg gefahren und habe 17 Lieder mit akustischer Gitarre eingespielt. Eher so in Singer-Songwriter-Manier. Dann haben wir uns dafür entschieden diese Platte zusammen zu machen.
Das war ganz geil er hatte das Demotape Ale Dumbsky von Buback in den Briefkasten getan, aber nichts dazu gesagt. Da war also einfach nur ein weißes Tape im Briefkasten. Ale hat sich dann gefragt: ” Wer hat mir dieses Tape in den Briefkasten getan? Und wer ist das?” und hat dann so eine Suche gestartet und alle in Hamburg gefragt. So ging der Hype dann los. Irgendwann hat dann Matthias gemeint: “Ja, ich war das und ich hab hier einen Künstler mit dem ich gerne arbeiten will.”

Wie lange hat er da gesucht?

Ich glaube so eine Woche oder zwei. Es sind ja alles so Ex-Punks, die Hiphop in Deutschland möglich gemacht haben. Denn damals war Punk so eine Musik mit der Plattenfirmen nichts anfangen konnten. Dann haben sie sich gesagt: “Wir brauchen einen Punk in unserer Firma!” und der hat dann immer mit den Leuten geredet, die nicht mit den klassischen Plattenfirmen-Leuten reden wollten. Als Hiphop groß wurde war das auch so eine Musik, die so weit draußen war, dass die Plattenfirmen gesagt haben: “Ey, keine Ahnung. Wer soll mit denen reden?” – “Die Punks!”. Somit ist Punk dafür verantwortlich, dass es Hiphop in Deutschland gibt. Vor allem in Hamburg waren das diese ganzen alten Kollegen von früher Ale, Matthias und André Luth von Yo Mama Records. Die zusammen haben dann meine erste EP gemacht.

Du hast damals auch schon so Patois-Englisch gesungen?

Damals war das noch sehr ungefiltert. Ich war voll jung. Mit 15/16 habe ich da angefangen aufzunehmen, war ja auf einem Internat, deswegen konnte ich nur in den Ferien aufnehmen. Somit kam die Platte, die auf Patois war, dann als ich 18/19 war (lacht).

Wie hast du es dir denn angeeignet?

Ich war halt extremer Bob Marley-Fan. Nicht Fan im klassischen Sinne, sondern ich hatte so das Gefühl, ich hätte einen ganz besonderen Zugang zu dieser Musik und diesem Spirit. Es war sozusagen mein Leben. ich hab über das Hören dieser Musik das Singen gelernt, weil ich eben mitgesungen habe und habe mir vieles über das Hören von Bob Marley angeeignet. Buju Banton und andere Reggae-Sachen, die ich analysiert habe, kamen danach. Es ist auch schwer Dancehall ohne Patois zu machen, das gehört irgendwie dazu, deswegen hab ich mir das so draufgeschafft. Ich war ehrlich gesagt erst nachdem die erste Platte schon aufgenommen war, das erste Mal auf Jamaika und Leute meinten so: “Ey, krass du warst noch nie hier?”…

Aber die haben nicht gesagt: “Ey, was hast du denn für einen krassen Patois-Akzent?”…

Ne, im Gegenteil. Die konnten nicht glauben, dass ich keine Jamaican-Roots hatte. Wobei auf der ersten Platte gab es auch einen Track “You always you” den ich in Creole, also im Dialekt meines Vaters, gemacht hab. Was ähnlich ist wie Patois. Für mich fühlte sich das immer echter an, ich stand auch nicht auf so ganz normales Englisch, passte nicht zur Musik. Es war nicht so ganz eine bewusste Entscheidung, sondern eher weil sich das richtig anfühlte. Aber wenn man sich meine heutigen Sachen anhört, sind die eher Englisch.

Du hast von deiner “Crew” gesprochen, das war die BANTU-Crew, richtig?

Ne, das kam erst nachdem ich über meine Schwester DJ Suicide und im nächsten Schritt Ade kennengelernt hab. Ade ist der Mitbegründer oder die Hauptfigur von Bantu gewesen.
Mit 16 haben wir Highlife und afrikanischere Sachen aufgenommen und hatten auch in Nigeria relativ große Erfolge damit.

Wie kommt die Musik nach Nigeria?

Der Rest von BANTU waren Nigerianer, die haben halt darauf abgezielt. Ich weiß nicht genau, wie das dahin kam, aber das war relativ überschaubar du konntest es dahin schicken, dann gab’s ein gewisses Vertriebs-Netzwerk und dann hatten wir Videos, die dann irgendwie an die Sender kamen. So wurden die Dinger zu Hits.

Vielleicht kannst du noch mal erklären, wer genau ist Ade Odukoya?

Das war der Begründer von BANTU mit seinem Bruder Abi Odon und Amaechi (Okerenkwo) und ich halt so der Kleine (lacht). Ade hat dann später auch Brothers Keepers mitgegründet und jetzt macht er so das erfolgreichste Independent-Alternative-Musik-Festival in Lagos, Nigeria. Er hat weiterhin den Namen BANTU für seine Gruppe.

Machst aber nicht mehr mit…

Ich war letztens erst zweimal da in Nigeria und bin bei seinem Festival aufgetreten, aber ich bin kein Teil mehr von BANTU. Als es bei mir losging, da ging das nicht mehr. Ich bin aber auch nicht so caught out für so ‘ne Gruppe. Ich habe das mitgenommen, weil es eine Möglichkeit für mich war, aber ich bin nicht so der Gruppen-Sänger.

Der Einzelgänger/Einzelsänger… Wie ist das denn mit Ayo, deine Frau war sie nicht damals, oder?

Wir waren verlobt.

Was mich überrascht hat, ist, dass sie aus dem gleichen Ort kommt.

Mehr oder weniger. Nicht ganz, aber beide aus der Nähe von Köln. Wir haben uns dann in Hamburg kennengelernt. Weil wir einen ähnlichen Humor, einen ähnlichen Style und eine ähnliche Offenheit hatten – Rheinländer sind offener als Hamburger beispielsweise – haben wir uns auf Anhieb gut verstanden.

Aber ihr habt euch damals durch die Musik kennengelernt…

Ja… Damals hat sie noch ganz andere Sachen gemacht, da war sie noch nicht so die Ayo, die man heute kennt. Wir haben zwar auch Musik zusammen gemacht, aber es ging eher übers Persönliche, weil wir uns gut verstanden haben.

Ihr habt aber nie zusammen Platte aufnehmen wollen?

Wir haben viel zusammen gemacht, so Demos. Ich hatte damals ein Loft in Hamburg. Da waren immer alle, das war so eine kreative Zelle und alle haben gestyled und gemacht. Es gab immer einen Austausch, aber jeder wollte auch immer sein eigenes Ding machen und sich beweisen und das nicht unbedingt im Fahrwasser von jemand anderen. Und es war natürlich auch für sie wichtig, dass sie ihren eigenen Weg geht.

Ihr seid sehr erfolgreich in Frankreich. Meinst du das liegt einfach daran, dass die Art der Musik dort besser ankommt? Du hast in einem Interview darüber gesprochen, dass du denkst die Art von Soul ist in Frankreich beliebter als in Deutschland…

Ich glaube Frankreich hat mehr Kultur. Punkt. (lacht)

Warum meinst du das?

Weil ich glaube, dass in Deutschland einfach viel Kultur kaputt gemacht wurde. Also junge Kultur nach dem Mann mit dem kleinen Bärtchen. Da sind ganz viele ausgereist und Kunst wurde als entartet erklärt. Es baut sich gerade so neu auf. In Frankreich hast du das Gefühl, dass da einfach kulturell – ich red von lebendiger Kultur, ich rede jetzt nicht von Klassik und all dem was davor kam. Man hat das Gefühl da gibt es auch viel mehr ein Forum in den Medien. Es gibt Radiosender, die nicht nur Kommerz spielen – aber dafür ist auch Budget da. Man macht da Livekonzerte im Radio, es gibt da interessante TV-Shows, die auch Musiker featuren, die nicht gerade Nummer eins sind. Durch ihre Ex-Kolonien haben die natürlich extrem viel Afro-Einfluss in ihrer Kultur. Das ist einfach kulturell viel diversifizierter.
Aber wir sind ja die, die versuchen hier in Deutschland auch noch ein bisschen andere Kultur reinzubringen. Mit Bantu… viele meiner Kollegen versuchen das. Man hat schon das Gefühl, dass es in Deutschland immer Deutscher wird. Also als ich anfing mit der EP und mit der Platte war das noch offener. Wenn man sich jetzt die Charts anguckt sind es größtenteils deutschsprachige Künstler und in Ostdeutschland ausschließlich, glaub ich. Das ist nicht schlimm, sondern eine reine Geschmacksache.

Aber du willst nicht auf Deutsch oder Französisch singen?

Ne. Bei mir richtet sich das nicht danach, was gerade ankommt, sondern eher so wie ich denke, dass es gut klingt.

Und da findest du den englischen Klang einfach schöner…. Gesungen klingt Deutsch, finde ich, einfach nicht so schön. Da ist Französisch schon die melodiösere Sprache…

Ja, aber Französisch ist da wie Deutsch. Du musst die Sprache wirklich meistern. Auf Deutsch finde ich, klingen 90 Prozent der Sachen, die man singt einfach schon mal schlecht. Weil es sich komisch in der Bauchgegend anfühlt, wenn man das so auf Deutsch einfach nicht sagen kann. “Baby, I love you” könnte man theoretisch auf Englisch sagen, auf Deutsch wärst du sofort im Schlager.

“Baby, ich liebe dich”…

Jap, sofort im Schlager.Im Deutschen gibt es vielmehr Nuancen und man muss viel mehr Feingefühl beweisen, damit es eben gut klingt. Und das ist ähnlich im Französischen. Das ist eine sehr sehr feine Sprache, die muss man wirklich checken. Also ich spreche Französisch, aber nicht auf dem Level, dass ich mir anmaßen würde jetzt nach Brel, Gainsbourg oder Edith Piaf auch französisch zu singen. Also da ist die Messlatte sehr hoch. (lacht)

An deinem Album “Life’s Blood”* hat unter anderem Diplo mitproduziert. Hast du den Rest selbst produziert oder wer hat daran mitgearbeitet?

Diplo und Picard Brothers haben an einem Stück gearbeitet. Aber zum Großteil habe ich selbst produziert. Also ich habe teilweise mit Alan Nglish aus London gearbeitet, mit dem ich allgemein viel arbeite, aber zu 95% habe ich schon selbst produziert.

Könntest du dein Album musikalisch beschreiben?

Ich würde sagen es ist ein modernes Reggae-Folk-Album. Aber das sagt den Leuten wahrscheinlich nicht viel. Ich habe dann ja irgendwann gesagt “Swaggy” ist meine Musikart, aber auch das muss ich dann erklären. Also man muss es sich echt anhören.

Es ändert sich ja auch. Das Album fand ich jetzt zum Beispiel sehr anders als deine vorherigen Alben.

Voll! aber jedes Album ist total anders. Also es ist schon immer so gewesen, dass Leute das sagen. Aber wenn du dir die EP anhörst und hörst dir danach “Ancient Spirit”* an, da kamen dieselben Reaktionen. Das war dann so: “Wie jetzt? Ein komplettes Reggae-Album. Was soll das?”, während die EP noch hiphoppiger, akustischer und spartanischer war. Dann kam “How do you call it?”*. Das war ein Soul-Album. Und alle so “Wie jetzt? Ein Soulalbum?” – das war ein richtiges Problem.

Beim Label?

Ja, die Reaktionen… weil das macht man einfach nicht. Leute haben irgendwann eine Box für dich und da musst du reinpassen und wenn nicht, dann gibt es große Aufstände.

Jan Delay macht es, aber bei dem ist es sehr sehr krass kommuniziert.

Genau, der gibt sich dann einen anderen Namen und so, oder?

Seiner Band hat er glaube ich einen anderen Namen gegeben “Jan Delay & Disko No. 1”, aber seinen eigenen Namen hat er behalten. 

Ja irgendwann, aber du musst dir vorstellen, erst fing es an mit Jan Eißfeldt, dann Eizi Eiz. Das erste mal, dass der Name Jan Delay kam, war dann glaube ich zu dem Reggae-Album (“Searching for the Jan Soul Rebels”*, 2004).

Zurück zu deinem Album. Es wirkt auf jeden Fall experimenteller. Teils hast du ja glaube ich Nachrichtensprecherinnen drin, wo es um Sierra Leone geht z. B. (Track?]

Achso ne. Das ist meine Schwester, die hatte so einen ziemlich großen TED-Talk, der auch oft im Internet geklickt wurde und den hab ich einfach gesamplet.

Aber das ist ja schon experimenteller. Auch bei “What a Wonderful World” wo dann eben auch Maschinengewehre zu hören sind. Das ist ja auch ein bisschen riskant, weil man dem Hörer so zeigt “Hey, da kommt jetzt keine Musik, sondern da kommt jetzt irgendwas, was dich vielleicht an Nachrichten erinnert”. Hast du Angst, dass es mich vielleicht aus der Musik rauswirft und ich sage ich möchte keine Nachrichten, sondern ich möchte das Album, ich möchte Musik hören?

Ich glaube das ging bestimmt vielen so. Ich meine die meisten Menschen machen Musik, von der sie denken, dass sie ankommt und dass sie irgendwie Erfolg hat und sind überhaupt nicht mehr politisch. Also gar nicht. Das müssen sie wissen. Für mich persönlich… das sind die Sachen, die mich irgendwie bewegen. Ich reflektiere ja meine Zeit und du siehst ja die Zeit in der wir leben. Die Leute die sagen, in der Musik ist alles super schön und  wir haben kein Problem. Ich sage nicht, dass die Aufgabe von Musikern ist, Stellung zu Politik zu beziehen, aber das ist halt mein Ding. Ich beziehe Stellung zu dem was so abgeht auf der Welt. Und wenn das nicht so bequem ist und Leute da keinen Bock drauf haben oder sagen “Hmm… ich will jetzt eigentlich nur Happy-Chappy-Reggae hören.” dann müssen sie jemand anderen hören.

Dein Album ist auf 48 gechartet und die vorherigen auf 11, auf 22. Gerade im Hip Hop haben viele den Anspruch gerade auf 1 zu landen. Wie nimmst du sowas auf?

Auf jeden Fall ein Zeichen. Dass ist so ein Unterschied zu allen Vorgängern, dass es schon so ist, dass man sich denkt “Ok, das ist nicht einfach so, dass man schlechter oder besser gearbeitet hat”, sondern man hat ja viele Argumente für einen kommerziellen Erfolg. Sei es mit Diplo oder Leuten, ich glaube das kann kein Künstler hier von sich sagen, dass man so hochkarätige Produzenten auf dem Album hat. Aber ich glaube das hat schon was damit zu tun, dass es sehr politisch war, sehr politisch kommuniziert wurde und dass Leute da vielleicht nicht so Bock drauf haben. Was OK ist. Ich hänge ja nicht vom deutschen Markt ab. Ich persönlich mag das Album sehr. Ich bin auch ehrlich, hätte ich irgendwie Zweifel daran, wie gut das Album ist, würde ich mich jetzt vielleicht nicht so gut fühlen, sondern sagen, dass ich das vielleicht besser hätte machen können. Aber ich finde, das liegt nicht am Album, sondern es ist einfach ein Geschmack und vielleicht will man das so nicht hören, diese Wahrheiten oder Realitäten. Und ich glaube, dass wenn alles so fremd ist und man etwas nicht einordnen kann, ist das umso unbequemer heutzutage. Man sieht einen generellen Rechtsruck in den Ländern. Ohne zu sagen “alle sind rechts”, aber ich glaube der Geschmack ist einfach ein bisschen rechts. (lacht) Das ist ja auch von niemandem die Schuld, aber das ist halt so, wenn man keine Kulturarbeit leistet in irgendeine Richtung, sondern einfach sehr “mediocre” Musik in den Radios und den TV-Formaten pusht, muss man sich nicht wundern, dass die Musik immer eigenständiger wird. Wenn du dir deutschen Singer-Songwriter-Pop anhörst, ist es ja letztendlich dasselbe Lied immer und immer wieder, was auf keinen Fall irgendwo aneckt, total glatt ist und theoretisch ne Art von neuem Schlager ist. Darauf fahren alle ab, obwohl sich nichts getraut oder eine wirkliche Botschaft vermittelt wird, sondern eher Sachen von denen wir wissen, dass sich eh alle darauf einigen können.
Ich spiele die Tour und die Tour läuft gut. Die Leute, die dann kommen und das feiern, sind mir umso wichtiger, weil mir das zeigt, dass sie offener sind und wir geschmacklich auf dem selben Film sind. Das ist mir dann lieber, als extremes Mainstream-Publikum, Leute mit denen ich jetzt nicht privat abhängen wollen würde.

Ja, ein Publikum hat jetzt auch gewählt… In einem Interview sagst du: “Ich bin mir sicher, die Zukunft auf die wir zusteuern, die wird richtig cool”. Jetzt wurd Trump gewählt. Glaubst du immer noch, dass die Zukunft cool wird?

Ich glaub schon. Man muss ja manchmal ein bisschen Abstand nehmen und sich das geschichtlich angucken. Dass Trump gewählt wurde, ist gar nicht so eine krasse Überraschung. Ich muss dazu sagen, ich war überrascht, aber so krass ist das gar nicht, wenn man sich das mal bewusst macht. Was halt krass ist, dass halt die Wahrnehmung, also diese ganzen Polls alle falsch lagen und sich alle total sicher waren, dass Hillary gewinnt. Das war beim Brexit nicht anders. Ich meine alle Länder sind halt viel viel nationalistischer, weil sie jetzt durch den Backlash von den Kriegen, die man überall veranstaltet oder forciert und unterstützt, indem man da Waffen hinliefert… da hat man jetzt keine Lust auf den Backlash. Das ist halt eine Doppelmoral. Trump ist repräsentativ für Amerika, somit ist er nicht der falsche Präsident, es ist die Wahrheit, Trump ist sozusagen, was Amerika darstellt. Nicht New York, nicht die großen Städte, aber das flache Land. Das ist ja auch in Deutschland oft so “Großstadt vs. Dorf” und die Dörfer sind auf Trump. Wird die Zukunft gut aussehen? Ich glaube schon. Ich glaube, dass der natürliche Prozess wäre, dass wir uns alle immer weiter mischen kulturell, physisch… es gibt ja diese Projektionen “irgendwann wird der Großteil Amerikas dunkel sein”. Ich glaube das ist völlig OK. Ich glaube, dass die Leute einfach mehr auf Inhalte gehen sollten und sich nicht an sowas aufhalten. Es geht darum, wie dein Charakter ist, wie du bist, was du in die Gesellschaft einbringst, deine Qualitäten, deine Talente, deine Ideen. Um sowas sollte es gehen. Ich glaube, dass der natürliche Prozess und Leute wie Trump oder die AfD oder Brexit, das sind Strömungen, die an der Vergangenheit festhalten wollen und keine Lust auf diese Art von Zukunft haben. Ich glaube aber, dass man da nicht festhalten kann. Das heißt die Bemühungen können noch so groß sein, es geht nur mit Gewalt, dass man diese Zustände aufrecht erhält.

Bis jetzt habe ich auch gedacht, dass alles einfach nur besser wird, aber ich glaube man muss schon irgendwas machen. Also ich habe das Gefühl, dass es auch in die komplett andere Richtung gehen kann.

Ne, absolut. Aber ich glaube auch das ist ein natürlicher Prozess. Ich glaube es muss jetzt so extrem werden. Du hast ja gesehen wie viele Gegen-Demonstrationen es jetzt gibt. Trump wurde ja nicht von den meisten Amerikanern gewählt, sondern er wurde von einem ganz komischen “demokratischen” System gewählt, das keinen Sinn macht. Natürlich hat der Großteil der Amerikaner keinen Bock auf ihn, deswegen gehen die jetzt auf die Straße. Die wollen so auch nicht von der Außenwelt gesehen werden. Die wollen nicht, dass irgendeine Merkel sagen kann: “Moralisch seid ihr eher da unten und ich hier oben”. Darauf haben die keinen Bock, deswegen wird das extrem polarisieren, dadurch gibt es Bewegungen und dadurch gibt es Clash und Kampf. Aber meiner Meinung nach wird es besser. Zumindest wird es alles an die Oberfläche gespült, auch hier in Deutschland.
Ich meine, Leute tun voll überrascht so “Oh Gott, der Osten ist voll rassistisch”. Das war noch nie anders. (lacht) Ich meine ich kenne die Statistik nicht, aber ich bin da hingefahren und habe das am eigenen Leibe erfahren, der Osten ist weitaus rassistischer. Das kannst du dir auch an Verkaufszahlen meiner Platten angucken. Jeder Platte. Wenn ich Top-10 gehe, heißt das, dass der komplette Westen meine Songs kauft, verstehst du? (lacht) Was OK ist. Ich sag nur man muss der Realität ins Auge schauen.
Natürlich sind das alles nur Hypothesen. Aber ich glaube, es wird besser.

Ich würd gerne mit dir weiterquatschen, aber wir sind etwas über der Zeit. Hast du noch eine Botschaft für die Welt?

Was ich mir wünschen würde von der Welt, wäre, dass sie sich ihre eigene Meinung bildet. Dass sie sich besser informiert und wirklich mal eigene Gedanken schmiedet und Ideen hat. Und nicht morgens aufsteht, den Facebook-Feed durchliest und dann abwägt, was die populärste Meinung wäre zu dem Thema. Das würde ich mir wünschen.

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